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Mein Verein Alfons Ackermann
Damit Geschichte nicht verschwindet

Mein Verein Alfons Ackermann: Damit Geschichte nicht verschwindet
Belesen - Alfons Ackermanns Interessensgebiet ist die Lokalgeschichte, als Vereinsvorsitzender kümmert er sich aber auch um Organisatorisches. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Alfons Ackermann ist erster Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins (BGV), Abteilung Remscheid. Von Bernd Geisler

Wenn Alfons Ackermann erzählt, entstehen sofort Bilder im Kopf. Ruhig, sicher und konkret liefert er Daten, Fakten und Erlebnisse. Hinter sich Bücher über Bücher, vor sich einen Kaffee: Kompetent und erzählerisch weltgewandt bis in die Zungenspitze weiß er, wovon er spricht. Er ist seit 45 Jahren Kommunalpolitiker (CDU) und kennt seine Stadt. Spricht er über die Vergangenheit, weicht die Besonnenheit auch mal der Begeisterung, dann spricht Ackermann mit Hand und Fuß. Genauigkeit muss aber immer sein. Das fängt beim Vereinsnamen an. Einen "Bergischen Geschichtsverein Remscheid" sagt er spontan, gibt es gar nicht. "Es gibt nur einen Bergischen Geschichtsverein, den BGV Abteilung Remscheid."

In Remscheid Hasten aufgewachsen prägten den heute 72-Jährigen die Remscheider Industrielandschaft. "Der gesamte Hasten war für einen Zehnjährigen das reinste Abenteuerland", sagt er. Da brachte noch die alte Bahn "Puste-Kalinken" täglich vom Hauptbahnhof ihre Güterwaggons zum Hastener Bahnhof und zurück. Aus Ackermanns Sicht war die gesamte, große Spielfläche "bestückt mit Geschichte": Feilenhauer, Kotten und Hämmer waren noch voll im Betrieb. Viele hatten ihre "Klöntür" oft einen Spalt offen - nur die obere Hälfte des Türflügels war offen, während die untere Hälfte verschlossen blieb. "Dort haben wir uns die Nasen platt gedrückt und konnten sehen, wie in der glühenden Esse der Stahl geschmiedet wurde." So kam der junge Ackermann mit viel Geschichtsträchtigem in Berührung. "Daraus hat sich bei mir die Liebe zur Heimatgeschichte entwickelt."

Das habe ihn nie so ganz losgelassen. Später wurde er Bundesbahnbeamter und baute den Regionalverkehr Köln mit auf. 1976 kam er in den Rat der Stadt Remscheid und lernte so den langjährigen Vorsitzenden des BGV Remscheid, Erich Thienes, kennen. Thienes öffnete ihm das Tor in den BGV. Seit 1976 ist Alfons Ackermann Beisitzer im Vorstand, seit 2011 sein erster Vorsitzender. Er feiert also in 2016 sein persönliches Jubiläum: 40 Jahre BGV. "Damals bedeutete der BGV Remscheid jedem etwas; eine große Zahl Remscheider Unternehmer waren Mitglied", erzählt er. Das habe natürlich auch an Erich Thienes gelegen. Er war Handelsvertreter und besuchte deshalb viele Unternehmen im Bergischen.

Zu jener Zeit sei der BGV "eine ganz wichtige Ebene" im Bereich der städtischen Kultur gewesen. Sehr viele Straßenbenennungen kamen nach Absprache mit dem BGV zustande, weil der Verein wichtige Daten dazu liefern konnte. Das sei auch ganz natürlich gewesen: Im Aufbau der Stadt nach 1945 war wieder Geschichte gefragt.

Alfons Ackermann ist ein Macher, weniger ein Wühler. Vielleicht möchte er sich auch lieber "im Turmzimmer verstecken" und in den Annalen forschen. Aber er sorgt für den organisatorischen Rahmen, damit dies überhaupt möglich ist. Er zeichnet für den neuen Flyer des BGV verantwortlich, kümmert sich um Fördermittel, macht Gremienarbeit, redet mit Politik und Verwaltung und koordiniert. Er sieht dort seine Aufgabe, "am Weitergeben der Geschichte zu arbeiten." Die ideale Aufgabe eines Vorsitzenden: "Wenn wir heute nicht aufpassen und unsere Geschichte nicht weiterpflegen, verschwindet vieles davon in die Versenkung."

Quelle: RP
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