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Remscheid
Das Akkordeon perlt wie edler Schaumwein

Remscheid. Das Lydie-Auvray-Trio begeistert mit französischen Chansons in der Klosterkirche. Von Wolfgang Weitzdörfer

Erwartungsfrohes Gemurmel raunt durch die gut gefüllte Klosterkirche. Gerade so, als ob das Publikum ganz genau weiß, was es da gleich erwartet. Dieser Eindruck wird bestätigt, als gleich der erste Jubel des Abends losbricht, als die drei Musiker die Treppe hinunter auf die Bühne kommen.

Lydie Auvray, gern gesehener Gast in der Klosterkirche, schnallt sich ihr Akkordeon um, Markus Tiedemann nimmt eine seiner Gitarren, und Eckes Malz setzt sich an seine Keyboard-Percussion-Kombination. Und schon geht es los. Auf eine Reise durch fast 40 Jahre Lydie Auvray - im kommenden Jahr feiert die Wahlkölnerin mit Wurzeln in der Normandie das runde Bühnenjubiläum.

Die Musette, jener französische Volkstanz, der zumeist vom Akkordeon begleitet wird, stand im Mittelpunkt des unterhaltsamen Abends. Nicht umsonst wird Auvray gerne als "deutsche Botschafterin der Musette" geadelt. Die coole Hundeschnauze des französischen Chansons trifft in ihrer Musik auf dessen melancholischen Dackelblick und geht mit den munter fließenden Triolen aus dem Akkordeon eine Champagner-Ehe der virtuosesten Art ein. Die Klänge von Stücken wie "Le chien ricanant", "Amour inconditionnel", "Macho Picchu", "La Java d'Manu" oder "Aller-retour" perlten wie Schaumwein von der Bühne, nahmen einen mit nach Frankreich.

Schloss man die Augen, war man nicht mehr länger in der Klosterkirche, das Getränk in der Hand nicht mehr länger Kölsch und der Sitznachbar kam nicht mehr aus Remscheid. Nein, vielmehr saß man an einem kleinen Bistrotisch in einem kleinen Café in der französischen Nachmittagssonne, vor einem ein Stück Camembert und ein Glas Rotwein. Die suggestive Kraft der Musik in Bestform. Das Publikum war gerne bereit, sich auf diese Reise mitnehmen zu lassen. Geleitet wurde es dabei zum einen von den drei hervorragenden Musikern, die perfekt aufeinander eingespielt waren. Zum anderen waren es die gutgelaunten Ansagen von Madame Auvray, die mit charmantem französischen Akzent und leisem Wortwitz passender nicht hätten sein können.

Komisch war es für die Besucher im Anschluss des Konzertes nur, wieder in die kühle Lenneper Frühlingsnacht zu kommen. Aber ein Stück Frankreich, ein Fitzelchen Musette hatte man immerhin als Wegzehrung bekommen.

Quelle: RP
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