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Remscheid
Das Fagott huscht auf Samtschuhen die Treppe hoch

Remscheid. Zum Geschick von Generalmusikdirektor Peter Kuhn gehört es, eine Auswahl an Stücken zu treffen, die atmosphärisch und auch stilistisch aufeinander bezogen sind. So präsentierten die Musiker der Bergischen Symphoniker eine heitere Abendunterhaltung mit magenfreundlichen Werken von Mozart, Hummel und Haydn in der Klosterkirche. Einerseits gehören sie zur frühen Klassik, andererseits öffnen sie das Tor zu romantischen Sehnsuchtslandschaften. Dabei kam dem Fagott als Soloinstrument eine besondere Rolle zu.

Eduard Drobek, der erste Fagottist des Orchesters, spielte Johann Nepomuk Hummels (1778 - 1837) Konzert für Fagott und Orchester. Mit einem edel angeblasenen Galopp aus Tonfolgen huscht das Holzblasinstrument auf Samtschuhen eine steile schmale Treppe hinauf, um von einer schönen Aussicht aus sehnsüchtig in eine Landschaft zu schauen. Sein Spiel versinkt nicht in Kleinheit und Melancholie wie die Menschen auf einem Bild von Caspar David Friedrich, sondern der warme Klang zieht von Ecke zu Ecke weiter. Stillstand und Verweilen sind nicht vorgesehen. Viel Applaus für den Solisten. Das Fagott übernimmt auch in Haydns Sinfonie "Le Martin" zeitweise die Position eines Solisten. Quirlig und vital ist es im Gespräch mit Flöte und Klarinette, die Celli weben ihm einen weichen Untergrund. In dieser frühen Sinfonie zaubert der Erfinder dieser Kunstform fast meditative Klänge. Im Halbtonschritt lässt er die Sonne aufgehen. Im zweiten Teil fühlt man sich wie in einem Yogaraum. Schlanke Klänge, die das Echo mit dem Universum suchen. Für Leute, die es gerne heiter und geistreich haben, war es eine wunderbare Abendunterhaltung.

(cip)
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