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Remscheid
Das Karomuster krönt die Maßarbeit

Remscheid: Das Karomuster krönt die Maßarbeit
Maßschneiderin Mirja Killer zeigt Beispiele ihrer Maßschneiderkunst, einen karierten Herrenanzug mit Weste und ein Damenkleid in schlichter Linienführung. FOTO: jürgen moll
Remscheid. Mirja Killer ist ausgezeichnet als beste selbstständige Maßschneiderin. In ihrem Handwerk kommt es auf jede Feinheit und eine Menge Disziplin an. Von Verena Kensbock

Mirja Killer wohnt und arbeitet in einem alten bergischen Haus in Stockden, mit Schieferverkleidung und grünen Fensterläden. Direkt am Eingang begrüßen zwei Schneiderpuppen die Besucher und Kunden. Eine trägt ein beiges Damenkleid, die andere einen Anzug mit Karomuster. "Das hier ist das Goldstück", sagt sie und legt die Hand auf die Schulter der zweiten Puppe. Mit dem dreiteiligen Anzug hat Mirja Killer beim Bundeskongress der Deutschen Maßschneider die Goldmedaille als beste selbstständige Maßschneiderin gewonnen.

Mit 45 Jahren zählt Mirja Killer zu den Jungschneiderinnen. "Das mag absurd klingen, aber man braucht seine Jahre, um das Handwerk zu verstehen", sagt sie. "Es war ein Leidensweg, aber es hat sich gelohnt." Zum dritten Mal hatte die gebürtige Remscheiderin nun an dem Kongress teilgenommen, zum ersten Mal als Selbstständige. Für sie war die Beurteilung der Juroren noch härter als die Meisterprüfung. Und mit einem Karomuster hatte sie sich nicht gerade den einfachsten Stoff ausgesucht. "Karo ist die Königsdisziplin", sagt sie, dreht die Puppe und fährt mit den Fingern über den Kragen. "Hier kommt es auf jede Feinheit an, damit der Anzug so aussieht, als käme er aus einem Guss."

Drei Wochen hat sie an dem Dreiteiler gearbeitet, der sowohl elegant als auch modern sein soll. Das "Goldstück" würde im Verkauf rund 4.000 Euro kosten. "Ein normaler maßgeschneiderter Zweiteiler ist aber günstiger, um die 2.500 Euro." Trotz der üppigen Preise glaubt Mirja Killer, dass sich Maßanzüge auch für junge Männer lohnen, die sie nicht jeden Tag tragen. "Ich finde es immer schade, wenn ich junge Männer sehe, die in ihren Anzügen ganz traurig aussehen", sagt sie. "Dabei können Anzüge - auch mit Karomuster - so smart und modisch sein." Und ein maßgeschneiderter Anzug sei eine langfristige Anschaffung: "Vielleicht nicht fürs Leben, aber für ziemlich lange Zeit."

Eine Alternative für diejenigen, die nicht ganz so viel Geld ausgeben wollen, ist die Maßkonfektion. "Da sind wir dann bei 780 Euro für einen Anzug. Das entspricht einem hochwertigen Exemplar aus dem Kaufhaus, ist aber auf den Kunden angepasst und sitzt viel besser."

Was viele Kunden in Mirja Killers Atelier zieht, ist die Art des Einkaufens. "Bei den Maßkonfektionen kommen die Kunden einmal zum Ausmessen und können den Anzug vier Wochen später abholen. Für einen Mann ist das wohl der bequemste Weg, um shoppen zu gehen."

Für Mirja Killer war die Wahl für den Beruf als Maßschneiderin früh entschieden. "Ich habe in meiner Jugend viel genäht, und es war mir ein inneres Bedürfnis, dieses Handwerk zu erlernen." Dabei habe sie Herrenmode immer mehr angesprochen als Damenkleidung. "Mir gefällt das geradlinige und penible Arbeiten, das liegt mir mehr", sagt sie. "Und Männer in guten Anzügen sehen natürlich toll aus."

Im Gegensatz zu vielen anderen Handwerken gibt es bei den Maßschneidern keine Nachwuchsprobleme, sagt Mirja Killer. "Es ist ein sehr kreativer Beruf, man kann ganz frei arbeiten. Es braucht aber auch eine Menge Durchhaltevermögen." Die Remscheiderin kann sich auch vorstellen, in Zukunft selbst auszubilden - in Kooperation mit einem Damenschneider. Und auch die eigenen Kinder finden den Beruf ihrer Mutter toll. "Sie sind beide kreativ veranlagt, aber ob sie irgendwann Maßschneider werden, wird sich noch zeigen."

Quelle: RP
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