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Remscheid
Das Leben als Zeitreise

Remscheid: Das Leben als Zeitreise
FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Zeit ist ein Geschenk, sie bleibt stehen, und sie verrinnt. Die Zeit ist reif, heilt nicht alle Wunden und überhaupt ist das Leben eine Zeitreise. Doch wird das Bewusstsein für Zeit so richtig erst im Alter spürbar. Diese Erkenntnis stellte das Senioren-Tanztheater von Claudio li Mura in der Lenneper Klosterkirche in einer eindrucksvollen Performance heraus. Von Stefanie Bona

Die Akteure treten mit zwölf überlebensgroßen Kopfskulpturen, auf die per Beamer die Gesichter der Darsteller projiziert werden, in den Dialog. In zuvor aufgezeichneten Interviews setzen sich die "Nachbarköpfe" mit dem Altern auseinander. Zunächst wird das Publikum von einem Stimmengewirr umgeben, aus denen nur in Fragmenten der Sinn des Gesagten zu verstehen ist. Schließlich werden die Statements konkreter. "Das Altern kann ich nicht verhindern - ob ich will oder nicht. Ich wehre mich nicht dagegen. Ich lebe heute", heißt es da zum Beispiel. Schmerzlich bewusst wird: "Früher habe ich gedacht, ich würde jedes Alter erreichen." Eine falsche Wahrnehmung, der hämisches Gelächter folgt. Die Einschätzungen zum Gewinn von Lebenserfahrung auf der einen und zu schwindender körperlicher und geistiger Energie auf der anderen Seite, werden durch die Videoanimationen und die Mittel des Tanzens korrespondierend zum Ausdruck gebracht.

Die Tänzer und Tänzerinnen sparen nichts aus: Gebrechlichkeit, Lebensfreude, Liebe und Abneigung, Erinnerung an Kindheit und Jugend - mal voller Freude und Dankbarkeit, mal mit Wehmut und Verbitterung, Hilflosigkeit und Hilfsbedürftigkeit, Paarbeziehung und auch Erotik im Alter kommen in dem mit Hingabe getanzten Stück "Zero und ich" zum Ausdruck. Manches klingt gar ein wenig trotzig: "Ich habe nicht das Gefühl, dass das Alter mein Denken einschränkt." Verbindendes Element der Männer und Frauen ist die Leidenschaft für den Tanz. Fazit: Auch im fortgeschrittenen Alter ist diese Ausdrucksform befreiend, beglückend und ästhetisch anzuschauen. Dazu bedarf es Mut: "Wenn man das als unangenehm empfindet, muss man etwas anderes tun, aber nicht Tanz." Aus der multimedialen Installation von Fridhelm Büchele sowie der Performance, Licht, sorgsam ausgewählter Musik und dezenter Kostümierung entsteht eine Symbiose, deren Wirkung sich der Zuschauer nicht entziehen kann.

Und die Botschaft ist eigentlich beglückend: Auch wenn mit Schwinden der Jugend die eigenen Aktivitäten eingeschränkt werden, muss man sich nicht vom Alter in den Sessel zwingen lassen. Tanzen ist da eine gute Möglichkeit, lange aktiv zu bleiben.

Quelle: RP
 
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