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Remscheid
Das Melton Tuba Quartett sprengt Hörgewohnheiten

Remscheid. Die Musiker gaben ein humoriges und überzeugendes Konzert in der evangelischen Kirche Lüttringhausen. Von Bernd Geisler

Der Himmel hing an diesem Sonntagnachmittag in der Evangelischen Kirche in Lüttringhausen nicht voller Geigen. Tuben schwebten stattdessen herum und kleideten ihn in allen Tonarten, in Dur und Moll. Schwebten? Diese schweren Kolosse? Jawohl. Und das war allein dem Melton Tuba Quartett zu verdanken. Es schmückte den Musikhimmel in der sehr gut gefüllten Kirche mal mit klassischem Gewand, mal malte es ihn in leutseligen Volksmundfarben bunt und beschwingend. Natürlich blitzte auch zackige Marschmusik donnergleich auf. Wie auch zarte Melodien, die von oben herab direkt ins Gemüt der Besucher glitten.

Ulrich Haas, Jörg Wachsmuth, Hartmut Müller und Heiko Triebener blasen seit 29 Jahren im Quartett die Tuba. Alle vier sind renommierte Tubisten in diversen Orchestern. So, wie Hartmut Müller erzählte, waren sie es damals offensichtlich leid, des Öfteren über 300 Takte lang auf ihren wichtigen Einsatz zu warten, um einen Ton zu spielen. Zumal neben ihnen der Schlagzeuger stand, die Arme ausgebreitet und bereit für einen markerschütternden Tusch im selben Takt. Wussten die Tubisten es doch besser. Jeder ist ein außergewöhnlicher Musiker auf seinem Instrument und kann diesem Ungetüm die zartesten Töne entlocken. Und genau das vollbrachte das Melton Tuba Quartett auch in Lüttringhausen.

Sein Einmarsch in die Kirche war klassisch: Unter den Klängen ihres Sounds mit dem "Washington Post March" und ihrer nachfolgenden Erkennungsmelodie "Baby Elephant Walk" enterten sie von hinten das Kirchenschiff. Jeweils zwei links, zwei rechts marschierten an den Besucherreihen entlang nach vorne und stellten sich für alle sehr gut sichtbar in Position. So wurde jedem sofort klar, dass es ein außergewöhnliches Konzert werden würde, Spaß inbegriffen. Das nachfolgende Lied "La Danza" von Gioachino Rossini aus dem Jahre 1835 im schnellen Tanzrhythmus des süditalienischen Volkstanzes "Tarantella" strotzte vor Lebenslust und Freude.

Bilder von Tanzpaaren, die über den Boden flitzen, tauchten auf. Man hätte die Tuben umarmen können. Zu allen Stücken lieferte Hartmut Müller eine humorige und informative Einführung. Natürlich kamen die drei bekanntesten Melodien aus Bernsteins "West Side Story" - "One Hand, One Heart", "Somewhere", "Maria" - besonders gut an. Es war immer wieder verblüffend, wie die gleitenden und sogar zarten Tubatöne Hörgewohnheiten sprengten.

Quelle: RP
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