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Analyse
Das Schweigen der Ditib-Gemeinde

Analyse: Das Schweigen der Ditib-Gemeinde
Der Bau der Ditib-Moschee an der Stachelhauser Straße hat große Fortschritte gemacht. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Der Moschee-Bau an der Stachelhauser Straße ist ins Stocken geraten. Presseanfragen hierzu, den Vorgängen in der Türkei und der zweifelhaften Rolle des türkischen Moschee-Verbands bleiben unbeantwortet. Von Bernd Bussang

Himmet Ertürk ist abgetaucht. Vielfache Anfragen unserer Redaktion beantwortet der Vorsitzende der Remscheider Ditib-Gemeinde nicht. Und das bereits seit Jahresanfang. Möglicherweise ist es ihm unangenehm, dass der Remscheider Moscheebau offenbar ins Stocken geraten ist. Dem Vernehmen nach fehlt das Geld für die Vollendung des repräsentativen Gebetshauses an der Stachelhauser Straße, dessen Bau Ende November 2013 begonnen wurde. Die Bauherrn warten angeblich auf Spenden, bevor es weiter gehen soll. Parallelen zur Großmoschee in Köln tun sich auf, wo ebenfalls noch kein Bauende abzusehen ist. Und es gibt weitere Parallelen. In Köln wie in Remscheid steht die Ditib hinter dem Moscheebau. Der Dachverband mit Sitz in Köln für mehr als 900 Ortsgemeinden vertritt türkische Sunniten und untersteht der Aufsicht der staatlichen Religionsbehörde Diyanet. Der Verband befindet sich nicht erst seit dem vereitelten Putschversuch und den brutalen "Säuberungen" Erdogans im Fokus einer kritischen Öffentlichkeit. Journalisten und Politiker werfen dem Verband eine direkte Staatsnähe vor. Er sei ein verlängerter Arm Erdogans und seiner Staatspartei AKP, meinen Kritiker.

Ertürks Verbandskollegen tun alles dafür, diesen Eindruck zu bestätigen. Von politischer Zurückhaltung keine Spur. Nach der Niederschlagung des Putsches bezogen die aus Ankara bestellten und mutmaßlich von dort aus gesteuerten Prediger im Freitagsgebet klar Stellung. Jene, die seit 40 Jahren "Aufwiegelei, Aufruhr und Feindschaft" säten, hätten dem Volk "sehr großen Schaden" zugefügt und Verrat "gegenüber unserem Volk und der Religion der Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit" begangen, heißt es darin. "Vaterlandsverräter dürfen hier nicht mehr beten!" Dieser Aushang war an einer von der Ditib geführten Moschee in Hagen zu lesen. Einem angemeldeten Reporterteam unserer Zeitung wurde jüngst in der Ditib-Moschee in Duisburg die Tür gewiesen. Herr Ertürk täte also gut daran, unsere Nachfragen zu beantworten. Wer predigt künftig in der Remscheider Moschee, sollte sie fertiggestellt sein? Wie transparent soll das Geschehen dort gestaltet werden? Will er sich weiterhin gegenüber der Presse abschotten? Ist die Moschee auch offen für Menschen, die nicht blind einem Staatspräsidenten folgen, der auf dem besten Weg ist, eine einstige Demokratie in eine Diktatur zu transformieren? Ein zutiefst religiös gesteuerter Machthaber, der seine Gegner mit allen Mitteln verfolgt und Sätze sagt wie diesen: "Die Demokratie ist nur ein Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten." Auf die Antworten sollten auch Remscheids Politiker und Repräsentanten, allen voran der Oberbürgermeister, nicht erst bis zum nächsten Fastenbrechen warten. Denn sie gehen nicht nur die vielen türkischen Mitbürger etwas an, die selbst in unserem Land unter den Repressionen von Erdogans Parteigängern leiden, sondern uns alle. Denn anders als in der Türkei ist unsere Presse frei so wie unsere Gesellschaft. Das gilt für alle, die hier leben, und es muss so bleiben.

Quelle: RP
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