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Analyse
Das Stiefkind im Herzen der Stadt

Remscheid. Ansichtssache Die Potenziale des Rathausplatzes für die Aufenthaltsqualität der Innenstadt werden zu wenig genutzt.

Manchmal hilft der Blick von außen, um zu erkennen, welcher Schatz direkt vor unserer Nase liegt. In seiner Präsentation für die Auftaktveranstaltung zur Revitalisierung der Innenstadt verweilte der Düsseldorfer Architekt Bernd Strey im April auffällig lange beim Theodor-Heuss-Platz, wie die Fläche offiziell heißt. In dem großen Areal mit dem zweifarbigen Pflaster, dem Löwendenkmal in der Mitte und dem historischen Rathaus als imposanter Einrahmung erkennt der Experte großes Potenzial für die Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Über die ersten Idee - mobile Blumenkübel mit Palmen und Bänken, um die Nachmittagssonne zu genießen - kann man sicher diskutieren. Sie zeigen aber, wo die Reise hingehen könnte.

Bislang ist der Rathausplatz eine Brot und Butter-Nutzfläche, die vor allem wegen ihrer Größe, ihren zentralen Lage und ihrer regelbaren Zugänglichkeit geschätzt wird. Für Löwenfestival, Public Viewing-Spektakel und vor allem für das Weihnachtsdorf bietet er beste Bedingungen, beim Wochenmarkt zieht er regelmäßig die älteren Bürger an.

Abseits dieser Termine führt der Platz zumeist eine mausgraue Existenz als Wegeverbindung für Passanten und geduldeter Kurzzeit-Parkplatz für Handwerker, Taxen und Trauzeugen am Standesamt. Remscheid kann froh sein, dass Gastronom Salvatore Lerose mit seinem Cafè Barista zumindest am Rand seit ein paar Jahren für einen Schuss Urbanität sorgt.

Doch da ist noch viel Luft nach oben, wie die Entwürfe von Strey zeigen. Seltsamerweise spielt der Platz in den politischen Überlegungen für eine lebenswerte Innenstadt bislang kaum eine Rolle. Im Vergleich zum - auch finanziellen - Aufwand, der für den Umbau des Ebert-Platzes betrieben wird, wird der Rathausplatz geradezu stiefkindlich behandelt.

Nun ist es das Thema Terrorschutz, das den Platz doch mal wieder in den Fokus bringt. Die SPD möchte mit Pollern die ungehinderte Zufahrt verhindern. Eine gute Idee - und vielleicht der Einstieg in eine fruchtbare Diskussion über die Zukunft dieses sehr besonderen Platzes.

Henning Röser

Quelle: RP
 
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