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Remscheid
Degas und Rodin - zwei Giganten treffen sich

Remscheid. Das Von der Heydt-Museum zeigt zum ersten Mal die französischen Künstler in einer gemeinsamen Ausstellung. 270 Werke sind zu sehen. Von Christian Peiseler

Elf Gemälde von Edgar Degas besitzt das Von der Heydt-Museum in seiner Sammlung. Ein Schatz, um den viele Museen die Wuppertaler beneiden. Auch drei kleinere Arbeiten von August Rodin gehören zum Fundus des Museums, das heute noch vom sicheren Kunstsinn seines Gründers profitiert. Einen Vergleich der beiden Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts hatte bisher noch kein Museum gewagt. Museumsdirektor Dr. Gerhard Finchk und sein Team haben viele Gemeinsamkeiten der beiden Giganten der Kunstgeschichte entdeckt, und auch viele Unterschiede herausgearbeitet. 100 Arbeiten von Rodin, 90 Werke von Degas und 80 Arbeiten von Künstlern der Zeit sind zu sehen. Die Ausstellung lebt von einem spannenden Dialog zweier Künstler, den es so nie gegeben hat.

Im zweiten Raum der oberen Etage steht die Skulptur "Maske des Mannes mit der zerbrochenen Nase". Aus heutiger Sicht ist diese Arbeit die Geburtsstunde der impressionistischen Skulptur. Als Modell wählte Rodin einen Mann vom Pariser Pferdemarkt, bekannt unter dem Namen Bibi. Die eingeschlagene Nase lässt sein Gesicht besonders markant erscheinen. Zugleich verweist es auf den Übervater der Bildhauer, Michelangelo, dem ebenfalls die Nase eingeschlagen wurde. Doch revolutionär ist weniger die Wahl des Sujets, ein Penner von der Straße, sondern die handwerkliche Machart. Rodin friemelte auf das Gesicht kleine Tonkügelchen. Damit verabschiedet er sich von der glatten Fläche so wie es die Impressionisten mit ihrem Pinselduktus taten. In den Gesichtszügen entstehen Licht und Schatten. Die Kunst der "Puckel und Löcher" nannte Rodin später diesen Stil.

Mit dieser Skulptur konnte er bei der Jury für die Salon-Ausstellungen keine Punkte machen. Genauso wenig wie Degas. Als junger Maler brachte Degas bereits einige seiner an der Klassik geschulten Bilder im Salon unter. Doch als er eine Skulptur aus Wachs von einer jungen Tänzerin präsentierte, provozierte er einen Skandal. Die Wachsfigur stattete er mit einem echten Tutu, seidenen Tanzschuhen, einer Echthaarperücke mit Seidenschleife aus. Zum Schrecken der Besucher und Kritiker. Das bürgerliche Publikum war so geschockt, weil es dachte, Degas portraitiere eine künftige Prostituierte und das hässliche Mädchen trage den "Keim des Verderbens" in sich. Degas zog die Skulptur zurück. Nie mehr zeigte er skulpturale Arbeiten. Er gehörte nun zu den Außenseitern und schloss sich der Gruppe der Impressionisten an. Die Wuppertaler Ausstellung zeigt, wie bedeutend die Bildhauerei im Werk des Malers Degas war. Es gibt viele Gemeinsamkeiten zu entdecken. Beide malen und zeichnen Tänzerinnen. Sie lieben das Pferdemotiv. Degas interessiert sich mehr für die Bewegung der Tiere, Rodin für die heroische Pose. Und die Technik der Fotografie setzen sie für ihre Kunst ein - zwei Maler auf der Höhe ihrer Zeit.

Info bis zum 26. Februar zu sehen, Öffnungszeiten: Di bis So : 11 bis 18 Uhr..

Quelle: RP
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