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BM-Reihe Die Gesundmacher
Depressionen können jeden treffen

BM-Reihe Die Gesundmacher: Depressionen können jeden treffen
Professor Dr. Klaus Windgassen ist Ärztlicher Direktor der Evangelischen Stiftung Tannenhof. FOTO: Moll Jürgen
Remscheid. Die BM setzt ihre Reihe "die Gesundmacher" fort. Diesmal geht es in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Stiftung Tannenhof um Therapien bei psychischen, psychiatrischen, neurologischer Erkrankungen, um Behandlung chronischer Schmerzen und um Altersmedizin. Von Stefanie Bona

Remscheid Leiden heute mehr Menschen an Depressionen als früher? Dieser Eindruck täusche, erklärt Professor Dr. Klaus Windgassen, Ärztlicher Direktor der Evangelischen Stiftung Tannenhof. "Die Häufigkeit hat nicht zugenommen. Wohl werden Depressionen treffender diagnostiziert und zielgerichteter behandelt", lautet die Einschätzung des Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie. Hinzu komme, dass es Menschen mit einer seelischen Erkrankung zunehmend leichter fällt, ihre Probleme generell und Symptome genauer zu benennen - gegenüber dem Hausarzt, aber auch gegenüber Angehörigen und Freunden.

Dass das Thema besonders in Bezug auf betroffene Prominente mehr in den Fokus gerückt ist, habe zu einer neuen Offenheit ebenso beigetragen, glaubt der Mediziner. "Man kann bei keinem Menschen sagen: Es kann ihn nicht treffen", zeigt er auf.

Eine Depression kann unterschiedliche Ursachen haben. Die Genetik kann genauso eine Rolle spielen wie lebensgeschichtliche Erfahrungen wie etwa der Verlust eines geliebten Angehörigen. Tritt eine depressive Episode auf "freier Strecke" ohne auszumachenden Grund auf, seien biologische Zusammenhänge als Ursache naheliegend. Zumeist kommt ein Bündel an Faktoren zusammen, die die Krankheit auslösen.

Charakteristische Krankheitszeichen seien eine gedrückte Stimmung, sozialer Rückzug, fehlender Antrieb und vernachlässigte Interessen. "Wenn jemand sich immer für Fußball interessiert und auf einmal daran überhaupt keinen Spaß mehr hat, könnte das ein Hinweis auf eine Depression sein", nennt der Mediziner ein Beispiel.

Schwieriger wird es bei der Diagnostik, wenn der Patient unter Appetitlosigkeit, Beklemmungsgefühlen in der Brust oder Schlafstörungen leidet und dabei von Stimmungsschwankungen nichts preisgibt. Denn dann wird eine Depression nicht immer direkt in Erwägung gezogen.

Eine körperliche Untersuchung zu veranlassen, sei aber immer der richtige Weg und auch in der Klinik geübte Praxis. Dabei sind in der Stiftung Tannenhof neben Psychiatern und Neurologen auch Internisten an der somatischen Diagnostik beteiligt.

Bei der Therapie spielen moderne Arzneimittel eine wichtige Rolle. "Aber nicht ausschließlich", hebt Professor Windgassen hervor. Denn gleichzeitig wird versucht, die Patienten behutsam wieder zu aktivieren, ohne sie aber zu überfordern. "Passivität ist depressionsfördernd. Die Betroffenen haben einfach zu viel Zeit zum Grübeln."

Gleichzeitig kommt ein individuell zugeschnittener Behandlungsplan mit Psychotherapie, Musik-, Kreativitäts- oder Bewegungstherapie zum Tragen. Die gute Botschaft ist: "Eine Depression kann man heute gut behandeln", betont der Psychiater. Manche Patienten können schon nach zwei oder drei Wochen entlassen werden, andere brauchen länger. "Manchmal muss man einen langen Atem haben, bis sich eine Besserung einstellt. Aber es lohnt sich."

Wichtig ist den Therapeuten, dass die Betroffenen bei der Rückkehr in den Alltag nicht wieder in ein Loch fallen. "Wir machen uns vor der Entlassung viele Gedanken darüber, in welche Umstände der Patient zurückkehrt", berichtet der Arzt.

In Patientenseminaren sollen die Erkrankten lernen, ihre Krankheit so gut es geht zu verstehen. Genauso gibt es solche Schulungen für die Angehörigen. Dass es Rückfälle geben kann, verhehlt der Mediziner nicht. Die Abstände könnten indes teilweise Jahrzehnte betragen. Kehren die Patienten nach erfolgter Genesung wieder zum Arbeitsplatz, in den Freundeskreis oder in die Nachbarschaft zurück, sind sie nicht selten über die Reaktionen erstaunt. "Weil über die Depression heute viel offener gesprochen wird, wird ihnen oft sehr viel mehr Verständnis entgegengebracht, als sie erwarten", hat Professor Windgassen erfahren.

Quelle: RP
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