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Remscheid
Der Bedarf an Beratung ebbt nie ab

Remscheid: Der Bedarf an Beratung ebbt nie ab
Ursel Wieynk (l.) und Gudrun Strangfeld-Schmahl sind Senioren-Sicherheitsberaterinnen in Remscheid. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Zwölf Ehrenamtler mit einer speziellen Ausbildung arbeiten in Remscheid als Sicherheitsberater - immer als Duo. Zu ihnen gehören Ursel Wieynk und Gudrun Strangfeld-Schmahl. Von Solveig Pudelski

Betrüger haben bei älteren Menschen oft ein leichtes Spiel. Ein Rentner hortete beispielsweise zu Hause sein Erspartes - 85.000 Euro. Als vermeintliche Kriminalbeamte an seiner Tür klingelten und angaben, Falschgeld sei im Umlauf, daher müssten alle Scheine registriert werden, händigte er sein Vermögen bereitwillig aus. So überzeugend wirkten die "Polizisten", als sie versicherten, die Scheine würden ihm nach Überprüfung zurückerstattet, dass er ihre Identität nicht anzweifelte. Das Geld sah er nie wieder.

"Er hatte es für einen späteren Heimaufenthalt zurückgelegt", berichtet Gudrun Strangfeld-Schmahl (71) von einem typischen Fall von Gutgläubigkeit und Obrigkeitsdenken, das viele Ältere noch hegen. Die Rentnerin ist seit 2009 Senioren-Sicherberaterin und wird häufig mit solchen Fällen konfrontiert. Gemeinsam mit Ursel Wienyk (69), die wie sie eine spezielle Ausbildung für dieses Ehrenamt durchlaufen hat, ist sie unterwegs, um Menschen in Vorträgen vorbeugend aufzuklären.

Die Palette der Themen ist breitgefächert, erklären die Senioren-Sicherheitsberaterinnen: richtiges Verhalten bei Trickbetrügerei am Telefon oder an der Haustür, Schutz vor Taschendiebstählen, Vorsichtsmaßnahmen bei Kaffeefahrten, Sicherheit im Straßenverkehr inklusive Bustraining und sicherer Geldverkehr. Auch über Brandschutz, Haus- und Wohnungssicherung, oder Patientenverfügung klären die zwölf Ehrenamtler auf, die immer im Duo arbeiten.

Der Bedarf an Beratung ebbt nie ab, denn die Maschen von Trickbetrügern werden immer raffinierter. "Trickbetrüger an der Haustür kommen immer zu zweit. Einer lenkt das Opfer ab, der andere durchwühlt die Schränke", erzählt Wieynk. Ob als vermeintliche Enkel, Schwangere, Vertreter der Stadtwerke oder Handwerker - die Betrüger treten sicher und überzeugend auf, appellieren an die Hilfsbereitschaft oder "arbeiten angstmachend, so dass ihre Opfer konfus werden", weiß Gudrun Strangfeld-Schmahl. Weil gerade für einsame Ältere das Gespräch eine willkommene Abwechslung sei, tappen sie in die Falle.

Gewinnversprechen am Telefon setzen genau dort an, wo die Gier nach Geschenken beginnt. Eine gesunde Skepsis hat da keine Chance. Hellhörig solle man werden, wenn vor dem Gewinn eine Zahlung zu leisten ist. "Etwas abgenommen hätten die Reinfälle bei Kaffeefahrten, auf denen die Rentner massiv unter Druck gesetzt werden, überteuerte Waren zu kaufen, berichten die Sicherheitsberaterinnen.

Neben Vorträgen und Aktionen wie "Augen auf - Tasche zu" im Allee-Center sprechen die Senioren-Sicherheitsberaterinnen Menschen auch auf der Straße, an der Bushaltestelle oder in Geschäften an. "An der Supermarkt-Kasse wird bar bezahlt, das Portemonnaie schnell in die Handtasche gesteckt, aber die Zeit, diese zu schließen, nehmen sich viele nicht", berichtet Wieynk von ihren Beobachtungen.

Die Rentnerinnen sind glücklich, dass sie im Ruhestand eine neue, wichtige Aufgabe gefunden haben. Im Berufsleben waren beide Sekretärinnen in gehobener Position und verfügen daher über Erfahrungen im Umgang mit Menschen, die ihnen zugute kommen. "Weil wir auf Augenhöhe mit älteren Menschen sprechen, können wir eher Vertrauen aufbauen", sagen sie. Und sie wirken überzeugend, weil sie zur gleichen Zielgruppe gehören.

Quelle: RP
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