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Remscheid
Der Büroflüsterer

Remscheid: Der Büroflüsterer
"Und wie war dein Tag, Schatz ?" fragt Hans Gerzlich in seinem aktuellen Programm. FOTO: Hoffmann
Remscheid. Das Publikum in der Klosterkirche war ganz bei ihm: Der Kabarettist Hans Gerzlich begeisterte mit seinem amüsanten Streifzug durch die Büros der Republik. Von Bernd Geisler

Dass die Bürohengste und die Büromäuschen von ihrer Arbeit nicht genug bekommen können. Die Klosterkirche war gerammelt voll, als Kabarettist Hans Gerzlich den Büroalltag aufs Korn nahm und genüsslich und bitterböse über Vorgesetzte, Kollegen und Meetings herzog. Er erntete Lacher am laufenden Band. Und fast alle bekamen Gelegenheit, nach rechts oder links zu schauen, sich grinsend zuzunicken und die eigene Meinung mit "Genau so isses" zu bestätigen.

Wenn der gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann, Diplom-Ökonom und ehemalige Marketing-Referent eines großen Energieversorgungsunternehmens aus seinem reichen Arbeitsschatz - dem Büro - flüstert, dann wissen sie, dass sie nicht alleine sind mit der Büroklammer in der Bürogemeinschaft. Gerzlich zieht im besten, zeitgemäßen Bürojargon über die "Low-Performer" her, die mit Floskeln wie "Ich finde das ein Stück weit interessant", "Da bin ich ganz bei Ihnen" oder "Ich sehe das völlig leidenschaftslos" sich davor drücken, eine eigene Meinung zu äußern. Und wenn, dann tropfen ihnen Worthülsen wie "ganzheitlich, zeitnah und nachhaltig" über die Schleimerlippen.

Er platziert trefflich einen Schlag nach dem anderen ins Kontor und fungiert so als erheiterndes Ventil, den alltäglichen Frust der Geschäftigen in demselben abzubauen. Natürlich wird sich so mancher der Büromenschen auch erwischt gefühlt haben, wenn Gerzlich mit einer Ankündigung wie "Ich setze dich mit ins CC" ("Da ziehe ich dich mit rein") dem nörgelnden Kollegen eins auswischt. Deswegen nimmt der Komiker seine Zuhörer auch sofort in Schutz. Wir sind alle Menschen und stöhnen über den immer größer werdenden Arbeitsdruck.

Zeitprobleme wachsen vielen über den Kopf. Da ist dann ein Zeitmanagement-Kurs mit dem beinharten Tipp, Prioritäten zu setzen, vergleichbar mit dem Rat für einen Fettkloß auf der Waage, den Bauch einzuziehen. Nie wusste die Menschheit so viel wie heute, und der Mensch so wenig. Allein den scheinbar günstigsten Handytarif für sich zu bestimmen, entwickelt sich zu einem Kreislauf, bei dem sich die Katze in den Schwanz beißt. Da helfen auch Vergleichsportale im Internet wenig - sie liefern unterschiedliche Ergebnisse.

Ganz nebenbei klärt Hans Gerzlich auf: Dass Wachstum keine Arbeitsplätze schafft, sondern vernichtet; dass die Abschaffung des Bargeldes gläserne Menschen hervorbringt; und dass die "Strategie des letzten Wortes" ein wirksames Mittel ist, in Meetings seine Meinung durchzusetzen. "Lassen Sie sich nicht gefallen, was Ihnen nicht gefällt", sagt er und empfiehlt, im Büro eine Banane als Telefon zu benutzen.

Quelle: RP
 
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