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Remscheid
Der fahrende Zottel-Ritter

Remscheid. Witzig und liebevoll hat Claudia Sowa Servantes "Don Quijote" inszeniert. Von Anna Mazzalupi

Ein Mülltonnendeckel und ein klappriges Rad als Ersatzpferd haben eigentlich nichts Ritterliches an sich - aber etwas Urkomisches. Bei der Premiere des neuen Abenteuerstücks "Don Quijote" im Westdeutschen Tourneetheater (WTT) nahmen die Lacher am Sonntag einen breiten Raum ein.

Witzig und liebevoll hat WTT-Intendantin und Regisseurin Claudia Sowa den bekannten Stoff von Miguel de Cervantes aus dem 17. Jahrhundert in ein aktuelles Theaterstück für die ganze Familie umgearbeitet. Der Trödelhändler und Rittergeschichten-Fan Paco Sanchez (Björn Lukas) trifft vor seinem Laden auf den "fahrenden Ritter" Don Quijote (Björn Lenz), der wenig rühmlich mit zotteliger Mähne, rosa Shirt und Streifenhose aus seiner Mülltonne entsteigt. Don Quijote erklärt Sanchez kurzerhand zu seinem Knappen Sancho Pansa, als er erfährt, dass Sanchez heimlich für seine Nachbarin Otilia (Kristina Otten) schwärmt.

"Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen", ermuntert Don Quijote seinen neuen Knappen, mit dem er sich auf seiner "Prachtstute" - dem klapprigen Fahrrad Rosinante - zum ersten Abenteuer aufmacht. Denn diese muss ein Ritter bestehen, um seine Herzensdame zu erobern.

Durch die Abenteuer, die mittels Schattentheater auf einer Leinwand dargestellt werden, entflieht das Duo der Realität. Die berühmten Windmühlen, die in Don Quijotes Vorstellung verzauberte Riesen sind, dürfen aus der literarischen Vorlage natürlich nicht fehlen.

Sancho Pansa hat alle Hände voll damit zu tun, seinen Herren aus der Bredouille zu retten. Etwa, als er glaubt, ein Zug sei ein verzauberter Drache, den er mit einem Lasso einfangen könnte. "Ein Ritter sieht mit den Augen seiner Seele", hält der gescheiterte Ritter fest, der gerne auch zu Reimen wie "Halte er die Klappe, Knappe" greift.

Ob Sancho es schafft, das Herz seiner angebeteten Prinzessin Otilia zu erobern, wird nicht verraten. Die schüchterne und ebenfalls närrische Ritterromanliebhaberin ergänzt aber im Verlaufe der Geschichte das fantastische Duo und schlägt die Zwei zu Rittern.

Die Inszenierung auf der Bühne des Westdeutschen Tourneetheaters beweist viel Gespür für den parodistischen Charakter der berühmten Vorlage von Cervantes, die 2002 zum besten Buch der Welt gewählt wurde.

Die kleinen Details, wie ein Hüpfball als Pferd oder die Flucht der Helden vor einem Hasen, bringen die kleinen und großen Besucher zum Lachen und untermauern den Anspruch der Phantasie, den die Hauptfigur verkörpert.

Quelle: RP
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