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Remscheid
Der Handel braucht die Stadt als Partner

Remscheid. Ralf Engel übernimmt Leitung der Geschäftsstelle des Branchenverbandes REHDV in Wuppertal. Von Michael Bosse

Ralf Engel ist Volljurist, doch mit juristischen Themen und Fragestellungen wird sich der 57-Jährige in Zukunft nicht mehr vorrangig befassen. Zum 1. April übernahm der Remscheider die Leitung der Geschäftsstelle des Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes (REHDV) in Wuppertal. Auf dem Posten folgt er Georg-Eicke Dalchow, der in den Ruhestand geht. Von der Hauptgeschäftsstelle Wuppertal aus betreut Engel die Interessen der rund 600 Mitgliedsunternehmen im Bergischen Land.

Die Amtsübernahme geschieht in einer Zeit, in der der Einzelhandel auch in der Region vor großen Herausforderungen steht. Zwar ist das Konsumverhalten in Deutschland in den vergangenen Monaten wieder angezogen, im Zeichen der Digitalisierung und des demografischen Wandels kommen auf Fachhandel und Warenhauskonzerne aber weiter Herausforderungen zu. "Handel ist Wandel. Diese Aussage ist zwar alt, hat aber nichts von ihrer Aktualität verloren", sagt Engel.

Das veränderte Einkaufsverhalten weiter Teile der Bevölkerung und vor allem das Medienverhalten junger Leute sowie ihre Vorliebe für den Einkauf im Internet zwingen den klassischen Einzelhandel dazu, die bestehenden Geschäftsmodelle zu überdenken. "Der Handel muss und wird es schaffen, hier gegenzuhalten", meint Engel, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert im Branchenverband REHDV beziehungsweise dessen Vorgängerverbänden aktiv ist.

"Wir müssen zeigen, dass Einkaufen mit Erlebnissen und Sinneswahrnehmungen wie Riechen, Schmecken oder Tasten verbunden ist. Die Bedeutung des stationären Einzelhandels und dessen Dienstleistungen sollten von der Bevölkerung wieder wertgeschätzt werden." Insbesondere der Erhalt der Attraktivität der Einzelhandelsstandorte liege nicht ausschließlich in der Verantwortung der Unternehmen. "Wir brauchen ein 'Netzwerk Stadt'", fordert er.

Gerade die Attraktivität der Innenstädte sei ein Thema, dem sich die Stadtplaner und die politisch Verantwortlichen noch viel stärker widmen müssen - und zwar mit einem Gesamtkonzept, das nicht nur die Schaffung von immer mehr Verkaufsfläche zum Ziel hat, sondern die gesamte Entwicklung des städtischen Raumes. Die Stadt müsse als "Erlebnis- und Kommunikationsplattform" begriffen und entwickelt werden.

Beispiel: Die untere Alleestraße in Remscheid. Damit der Neustart dieses Bereiches gelingt, müsse sich dort als erster Schritt eine Adresse ansiedeln, wo jeder Bürger hin muss. "Dazu können etwa städtische Dienstleistungen wie ein Bürgerbüro oder ein Haus für altersgerechtes Wohnen gehören", sagt Engel. Überdies müssten die Immobilienbesitzer in das Gesamtkonzept zur Entwicklung des städtischen Bereichs mit einbezogen werden.

Nachdenklich stimmt Engel eine aktuelle Entwicklung in der Region: Konkurrenzsituationen wie sie durch die Ansiedlung eines Design Outlet Centers (DOC) in Lennep und den Plänen zur Errichtung eines Factory Outlet Centers (FOC) am Döppersberg in Elberfeld entstehen, seien der Förderung des "Wirtschaftsraums Bergisches Städtedreieck" nicht zuträglich. "Man kann nicht von einer gemeinsamen Bergischen Region sprechen und dann nicht danach leben", betont er. Gegenseitige "Kannibalisierungen" nach Ansiedlungen bestimmter Formen großflächigen Einzelhandels dürfe es nicht geben.

Quelle: RP
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