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Serie Regionale 2006 - Zehn Jahre Danach
Der Klang der Stadt ist heller geworden

Serie Regionale 2006 - Zehn Jahre Danach: Der Klang der Stadt ist heller geworden
Ein Zeitsprung, der Remscheid gut getan hat. Oben das neu gestaltete Bahnhofsareal. Auf der Wiese entsteht auch das Kino. Rechts der alte Bahnhof. FOTO: Archivfotos Saltmann/Hertgen
Remscheid. Hauptbahnhof, Werkzeugtrasse und Röntgen-Museum wirken als Regionale-Projekte heute positiv auf die Lebensqualität. Von Christian Peiseler

Auf dem Wanderweg zwischen dem Parkplatz Tyrol und dem Freibad Eschbachtal steht in einer Biegung etwas verloren und angerostet ein blaues Wasser-Sehrohr. Es ist ein Überbleibsel der Regionale 2006. Der Blick durch dieses festinstallierte Rohr trifft punktgenau auf den Eschbach. Der Betrachter sieht, wie sich Luftblasen im Wasser kräuseln, oder Regentropfen Dellen in den Eschbach drücken. Beim Hörtest zeigt sich, dass der für Remscheids Industriegeschichte so wichtige Bach viel lauter klingt als es im Vorübergehen den Anschein hat. Einen Perspektivwechsel auf das so Vertraute macht das Wasser-Sehrohr erfahrbar.

Neue Perspektiven und Chancen für Remscheid und das bergische Städtedreieck sollte auch die Regionale 2006 bewirken. Das ist nun zehn Jahre her. Wir ziehen eine Bilanz.

Ohne die Regionale 2006 wären Remscheid und seine beiden Partnerstädte Solingen und Wuppertal wohl in einem öden Niemandsland mit hoher Arbeitslosigkeit, maroden Innenstädten und engstirnigem Kirchturmdenken weiter versunken. Über Jahrzehnte haben sich die SPD-geführten Landesregierungen lieber um den Strukturwandel im Ruhrgebiet gekümmert, als einer alten Industrieregion, die auf den Märkten der Welt schwer zu kämpfen hatte, wieder auf die Beine zu helfen. Bis die Kulturministerin Ilse Brusis (SPD) 1999 den Zuschlag für das Förderprogramm "Spurwechsel" von 110 Millionen Euro mit der Aufforderung verkündete: "Seien sie anspruchsvoll".

Remscheid hat lange gebraucht, um seine Ansprüche zu formulieren, zu sortieren und umzusetzen. Es fiel der Stadt schon damals schwer, den finanziellen Eigenbeitrag aufzubringen. Dennoch: Es gibt drei große Projekte, die heute weiter einen spürbaren Einfluss auf das Leben in der Stadt haben.

Mit der Gestaltung des Bahnhofareals ging die Zeit des Fremdschämens zuende. Wer am Hauptbahnhof früher seine Gäste empfing, brachte am besten eine Augenbinde mit, um den Ankömmling vor dem Anblick von Dreck und Verfall zu schützen. Das neue Eingangstor mit Brücke zur Innenstadt ist ein Gewinn - im Vergleich zu früher.

Die Werkzeugtrasse ebenso. Sie bietet einen Spazierweg von Hasten bis zum Bahnhof. Zwischen Fachwerkhäusern, Vorgärten, Industriekomplexen und Hinterhöfen zu wandern, eröffnet einen Blick auf die Stadt, wie es ihn vorher nicht gab. Selbst "olle Remschidder" sieht man heute dort lächelnd mit ihren Hunden Gassi gehen.

In letzter Minute kam der Ausbau des Deutschen Röntgen-Museums auf die Förderliste. Der Startschuss für eine Erweiterung entstaubte ein eingeschlafenes Kulturinstitut und brachte es auf den Weg zu einem modernen, naturwissenschaftlichen Museum. Bahnhof, Werkzeugtrasse, Röntgen-Museum - diese drei Projekte repräsentieren den Erfolg der Regionale. Doch mindestens genauso wichtig wie die sichtbaren Eingriffe ins Stadtbild ist das Zusammenwachsen des Städtedreiecks als Region. Der Brückenpark in Müngsten, an dem alle drei Städte beteiligt sind, symbolisiert auch eine Veränderung in den Köpfen. Als Einzelkämpfer kann keine Stadt mehr überleben. Nur als Region bietet sich eine Chance, in seinen Stärken und Schwächen angemessen wahrgenommen zu werden. Die Regionale 2006 hat somit zu einem Klimawandel zwischen den Städten beigetragen. Die Bergische Entwicklungsagentur, ein Kind der Regionale, steht für eine bessere, professionellere und erfolgreichere Zusammenarbeit. Auch der kürzlich gegründete Bergische Rat kann als ein Ausläufer der Regionale gesehen werden. Der Wille zu mehr Gemeinsamkeit, trotz aller engstirnigen Querelen wie dem DOC-Streit, ist auf vielen Gebieten gewachsen.

Wandern im Eschbachtal, Picknick auf einer Wiese an der Wupper, mit dem Fahrrad durch die Täler - das Bergische Land mit seinem bezaubernden Mischwald und seiner Industriekultur ist durch die Regionale als Reiseziel entdeckt und langsam etabliert worden. Was Remscheider an ihrer herrlichen Natur lieben, kann ja auch anderen Gefallen. Wer durch das Wasser-Sehrohr den Eschbach in den Blick nimmt, der hört inzwischen nicht selten in seinem Rücken ein paar Fahrräder vorbeirauschen. Holländer sind auch schon mal dabei.

Quelle: RP
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