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Wirtschaft
Der Kofferbauer der Höhner

Der Kofferbauer der Höhner
Der Wermelskirchener Thomas Behle baut maßgeschneiderte Koffer und Flightcases. FOTO: Roland Keusch
Remscheid. Thomas Behle stellt Spezial-Transportbehälter her – etwa für Instrumente, Fotoequipment, Laptops oder Fernseher. Von Andreas Weber

Wer etwas zu verstecken hat, der ist in Thomas Behles Werkstatt richtig. Der 55-jährige Wermelskirchener baut Flightcases. Als Handwerker verpackt er hinter Alu, verzinktem Stahl und hochstabilem Birkenholz alles das, was des Schutzes bedarf. Behle erstellt Koffer bis zu zwei Meter Länge.

Gefragt hauptsächlich bei Musikern für den sicheren Transport ihrer Instrumente, Verstärker, Boxen, Mischpulte und jedwedem Zubehör von Kabeln bis zu CDs. Thomas Behle ist seit fast 40 Jahren selbst Rockgitarrist, bekannt geworden im Bergischen durch die "Jim Beam Band", "Wo ist Behle?" und "Cold Shot". Wermelskirchens altgedienter Rock'n'Roller weiß deshalb genau, was seine Kunden wünschen.

"Ich spreche ihre Sprache", betont er und pflegt dabei ein Credo: "Cases, die meine Werkstatt verlassen, möchte ich nie wieder sehen." Soll heißen: Qualität ist alles. Nur eine Reklamation hat er in 17 Jahren erlebt. Und die hatte der Kleinunternehmer nicht selbst zu verantworten. An einem Butterfly-Verschluss war ein Materialfehler aufgetreten.

Durch das Internet und Mund-zu-Mund-Propaganda spricht sich Behles Fertigkeit herum. Die Höhner haben bei ihm geordert, der Gitarrist von Tommy Engel, der Bassmann von Matthias Reim und der Gitarrist von Howard Carpendale. Auch Joey Kelly versicherte sich seiner Dienste. Wenngleich in einem ganz anderen Segment. Der Extremsportler benötigte einen robusten Kamerakoffer für einen Wüstentrip. "Jeder, der etwas Teures problemlos von A nach B bewegen will, kann es bei mir eintüten lassen."

Ob nun wertvolles Fotoequipment, Laptops, Fernseher, Spirituosen oder aber auch Endoskope für VW-Werkstätten, deren Cases Thomas Behle extra für einen Remscheider Werkzeughersteller maßschneidert. Der Verband Deutscher Sicherheitsingenieure gab bei ihm beispielsweise einen Case für ein Urmeter in Auftrag - mit Schaumstoff gepolstert.

Behles Arbeit beginnt am Computer mit einem speziellen Programm, das millimetergenau errechnet, wie viele und welche Teile der Casebauer verwenden muss. Exakte Kostenermittlung der Einzelteile und Gesamtsumme stehen neben einem animierten Bild vom Produkt am Anfang. Flightcasebauer gibt es viele, sagt er, seine Stärke sind Flexibilität, Schnelligkeit und Präzision.

"Wenn bei mir eine Anfrage per E-Mail eingeht, hat der Kunde ein paar Stunden später einen Kostenvoranschlag und, wenn gewünscht, ein paar Tage später den fertigen Case bei sich Zuhause." Auch das persönliche Gespräch in seiner Werkstatt im Industriegebiet Elbringhausen ist jederzeit möglich. Ein Standard-Haubencase liegt bei 159 Euro brutto. Behle bezieht seine Hardware von den beiden Großhändlern auf dem deutschen Markt: Adam Hall und Penn Elcom. Das Zusammensetzen sei "ein super umfangreiches Thema", betont der Verpackungskünstler.

Zweieinhalb Stunden benötigt Thomas Behle in der Regel, bis der gewünschte Koffer fertig ist. Er arbeitet mit Kanten- und Schließprofilen aus Alu, Butterfly-Verschlüssen aus verzinktem Stahl. Als Standardholz verwendet er Birke Multiplex, phenolharzbeschichtet, Stärke: 6,5 mm. Äußerst belastbares Material, das wasserfest ist. Zu den Klappgriffen beim Einbau gesellen sich oft die "blue wheels", Rollen, die das Equipment zu einem Fahrgestell verhelfen. Im Schnitt werden in jedem Case 100 Nieten verbaut.

Präzision ist seine Sache. Betriebsschlosser lernte Thomas Behle einst bei Strasmann in Ehringhausen, baute danach über 15 Jahre für Knopp in Wermelskirchen Küchen auf. Erst zehn Jahre im Nebengewerbe, ab 2000 hauptberuflich widmete sich Behle den Flightcases. Als er als 16-Jähriger mit dem Gitarrenspiel begann, waren diese sündhaft teuer. Heute schleudern die Chinesen und Polen die Cases zu einem Preis raus, zu dem Behle nicht mal das Material einkauft. Trotz jahreszeitbedingtem Auf und Ab beim Umsatz kann der Einzelkämpfer darauf bauen, dass Qualität seine Abnehmer findet. Als Rock'n'Roller, der heute mit den "DellJays" handgemachten Coverrock spielt, ist er auch Kunde in eigener Sache.

Quelle: RP
 
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