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Remscheid
Der Regen tut der Neye-Talsperre gut

Remscheid: Der Regen tut der Neye-Talsperre gut
Nachdem im März 1,7 Millionen Liter Gülle von einem Bauernhof in Halver in die Neye-Talsperre geflossen waren, versuchten Helfer von THW, Forstamt und Nabu, Fische zu retten. FOTO: Volker Leipzig
Remscheid. Trübes, regnerisches Novemberwetter, dazu reichlich Wind - was in diesen Tagen die Spaziergänger und Jogger davon abhält, rund um die Neye-Talsperre zu laufen, tut der Neye hingegen gut. Vor allem der viele Regen. Von Thomas Franke

Auch mehr als ein halbes Jahr nach der großen Güllekatastrophe, als rund 1700 Kubikmeter der stinkenden Masse über den Neyebach - der seither ökologisch tot ist, ebenso wie die nahe gelegenen Teiche - in die Talsperre liefen, kann noch immer keine genaue Prognose gestellt werden, ob es nicht doch zum "Umkippen" kommt. "Der Sauerstoffgehalt in einigen Wasserschichten ist das Problem", sagt Susanne Fischer, Sprecherin des Wupperverbands. Der nutzt die Talsperre derzeit nicht für die Trinkwasserversorgung, sondern sie dient seit vielen Jahren nur als mögliche Trinkwasserreserve.

Im Sommer hatten sich durch die Einbringung der Gülle reichlich Blaualgen gebildet - diese nehmen Sauerstoff auf und gefährden dadurch den Fischbestand in der Talsperre. Der Sauerstoffgehalt im Wasser sank in einigen Schichten deutlich, weil es gerade im Sommer zu wenig Zirkulation im Wasser gibt. Fallende Temperaturen, sowie Wind und Regen sorgen jetzt wieder für die notwendige Durchmischung des Wassers.

Ein Glück war zudem, dass in den ersten Wochen nach der Katastrophe im März viel von der Gülle, die sich als Blase auf dem Grund vor der Staumauer gesammelt hatte, durch die vorhandene Rohwasserleitung in die Hückeswagener Kläranlage an der Wupper-Vorsperre abgeleitet werden konnte. Dennoch kam es zur vermehrten Algenblüte. Zu sehen ist davon dieser Tage an der Wasseroberfläche nichts. Experten des Wupperverbandes und des Energieversorgers EWR als Besitzer der Talsperre - die EWR ist eine Tochter der Stadtwerke Remscheid - beobachten die Entwicklung.

"Wir sind vorsichtig optimistisch", sagt Susanne Fischer. Allerdings betont sie, niemand wisse, welche langfristigen Folgen die Katastrophe haben werde. Eine derart große Einleitung von Gülle hat es so noch nicht gegeben. Unklar ist, wie viel Gülle sich in den Sedimenten abgelagert hat. Daher werden weiter regelmäßig Proben gezogen, Fachleute behalten die Algenentwicklung im Blick. Klar ist lediglich: Eine endgültige Entwarnung wird es in diesem Jahr nicht geben.

Noch unklar ist, wie es mit dem betroffenen Landwirt aus Halver weitergeht, aus dessen Hochbehälter die Gülle im März ausgelaufen war. Die Ermittlungen der Polizei, wer den Tank absichtlich öffnete, erbrachten bislang kein Ergebnis. Und die Verfahren gegen den Landwirt haben noch nicht begonnen. Ein erster Prozess beginnt in wenigen Tagen - allerdings wegen einer Gülleeinleitung vor einem Jahr.

Quelle: RP
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