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Remscheid
Der Tango ging im Trommelwirbel unter

Remscheid. Das Ehepaar Nicole Nau und Luis Pereyra tanzten Stationen ihres Tänzerlebens in der Klosterkirche. Von Bernd Geisler

Der Tango ist aus dem Leben der Nicole Nau und ihres Ehemannes Luis Pereyra nicht wegzudenken. Die Grafikerin aus Düsseldorf gab mit 23 Jahren 1986 alles auf, um sich zuerst in Argentinien dem Tango hinzugeben und dann dem Tangotänzer. Der Tango bestimmt(e) ihr Schicksal. Kein Wunder, dass der Titel ihres Programms in der vollen Klosterkirche "Tanze Tango mit dem Leben" seine Berechtigung fand: Das Paar skizzierte Stationen seines gemeinsamen Lebens auf der Bühne und verband sie mit kurzen Tangosequenzen.

Es begann mit der offenen Probe einer einzelnen Schrittfolge ohne Musik. "Du führst", forderte Nicole ihren Göttergatten mehrfach auf und er folgte brav. Eigentlich, so erzählte sie, folgt die Tänzerin nicht dem Tänzer, sondern begleitet ihn. In Wahrheit führte sie den gesamten ersten Teil des Programms bis zu Pause.

Sie las Passagen ohne verbindenden Spannungsbogen aus ihrem Buch über ihr Leben und das ihres Mannes vor. Die Idee an sich war gut: Text tanzt Tango. Nach jedem Text tanzten Nicole und Luis. Doch die jeweilige Stimmung des Textes im Tango zu entdecken, war dem wahren Tango-Kenner vorbehalten: Für den Laien sahen die Bewegungen aufgrund der - zugegeben - artistischen Geschwindigkeit verhakender Beine, wirbelnder Füße, drehender Körper und zackiger Figuren alle ähnlich aus. Trotzdem riss das jeweilige dramatische Ende einer Sequenz mit absolut synchronem Stopp der Musiker und Tänzer die Leute zu heftigem Beifall hin.

Tango kann feurige Leidenschaft, himmlische Freude und samtige Melancholie ausdrücken: Die Faszination der Begegnung von Mann und Frau auf der Tanzfläche mit allen Facetten - werben, locken, abweisen, hinauszögern, fordern, schmachten, leiden, frohlocken und natürlich lieben. Vielleicht hat es ja daran gelegen, dass Nicole und Luis schon ein routiniertes Ehepaar sind. Da fällt's dann schon mal schwer, glühende Leidenschaft zum lodernden Feuer zu erwecken. Kokelnde Erotikfunken verglühten hier bereits im Schweiße Luis', bevor sie überhaupt davonstieben konnten. Schade.

Nach der Pause kam die große Stunde des Luis. Er zeigte, dass er nicht nur tanzen kann, sondern auch steppen, trommeln und die Boleadoras - Leinen mit Ziegenhufen am Ende - virtuos als Schlagwerk einzusetzen weiß. Jetzt war Trommeln angesagt. Von der sehr lauten Bombo legüero (Röhrentrommel) war Luis schier nicht wegzukriegen. Mit ihm schlugen auch die ansonsten virtuosen Begleitmusiker Leandro Ragusa (Bandoneón) und Toni Gallo(Gitarre) drauflos, als ginge es um ihr Leben. Noch vor dem endgültigen Schlussapplaus ergriffen einige Zuschauer die Flucht. Bei ihnen war der Tango im Trommelwirbel untergegangen.

Quelle: RP
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