| 00.00 Uhr

Remscheid
Der Tanz der Jongleure

Remscheid. Das Ensemble "Gandini Juggeling" beeindruckte mit ungewöhnlicher Choreographie im Teo Otto Theater. Von Bernd Geisler

Menschen tanzen. Derweil fliegen Bälle, schwingen Keulen, gleiten Ringe durch die Luft. Multitasking ist angesagt beim Auftritt der vier Frauen und vier Männer des britischen Ensembles "Gandini Juggling" im Teo Otto Theater. Sean Gandini heißt der große Meister hinter allem und "juggling" bedeutet auf Deutsch "jonglieren". Die Besucher sehen eine fremdartige, gleichsam verblüffende Tanzshow. Oder ist es mehr eine Jonglageshow? Gandini ist von beidem begeistert. "In der Jonglage liegt hohes choreografisches Potenzial", sagte er in einem Interview. Er will Körperbeherrschung, rhythmischen Ausdruck und künstlerische Eleganz unter einem Hut vereinen. Und das alles mit einer Gruppe von Menschen. Mehrere Tänzer sollen im Gleichklang durch Tanz und Jonglage harmonische und differenziert gefügte Bilder zu Momentaufnahmen entstehen lassen . "4 x 4 Ephemeral Architectures" (4x4 Flüchtige Strukturen) ist das Thema. "Ich liebe Systeme und Strukturen", sagte der Choreograph. Aber seine Strukturen sind nicht statisch, sondern "flüchtig". Eine durch die Luft taumelnde Jonglagekeule bleibt nicht in der Luft hängen - sie wird unweigerlich ihre Reise in Richtung Boden fortsetzen.

Wie auch ein Haufen Bälle und ein Schwarm Ringe. Gleichwohl erzeugt das Ensemble Bilder, die zwar aus einzelnen Elementen - Körper, Arme, Beine, Bälle, Köpfe, Keulen, Ringe - bestehen, aber durch deren gleichförmige Bewegungen im Rhythmus eines kräftigen Streicherensembles (aus dem Off) erhalten bleiben. Ähnlich einem Maschinengetriebe, dessen Gesamtansicht sich nicht verändert, obwohl sich seine Einzelteile bewegen. Die Tanzenden sprechen auch noch. Manchmal sind wiederholte Wortfetzen zu hören wie "Ball, System, Struktur." Zuweilen artikulieren sie auch nur Farben ("Gelb, Weiß, Grün ...").

Oder sie beschreiben raffinierte Richtungsänderungen zum Gleichschritt des Tanzes und der Musik. Zu in die Luft geworfenen Ringen ist zu hören: "up, down, left, up, down, down, up, right, right, cross ..." Tricky wird es, wenn die Bilder sich zu Hologrammen ausweiten: Zunächst werfen sich zwei gegenüberstehende Tänzer mehrere Keulen zu. Dann schiebt sich ein anderer dazwischen, fängt die Keulen als "Zwischenpuffer" auf und wirft sie weiter. Das Bild wird jetzt dreidimensional. Fliegende Keulen verschwinden durch Körper verdeckt und tauchen irgendwo wieder auf: Das Bild mutiert zum Raum.

Und natürlich geschieht immer alles gleichzeitig. Die grauen Zellen der Akteure müssen Purzelbäume geschlagen haben. Heftiger Beifall.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: Der Tanz der Jongleure


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.