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Remscheid
Der Wupper hinterher

Remscheid. Sie prägt das Bergische Land auf 117 Kilometern von Börlinghausen bis nach Leverkusen: die Wupper. Wir verfolgen ihren Verlauf und die wichtigsten Windungen. Von Zusammengestellt von Verena Kensbock

Ein grünes Plastikschippchen dümpelt im trüben Tümpel. Farn umrankt das stille Gewässer. Auf einem Stein steht "Wupperquelle". Hier also entspringt der wichtigste Fluss des Bergischen Landes.

Der Fluss, der die Landschaft prägt, der die wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht hat, der früher gerade im Sommer bestialisch gestunken hat, der heute vielfältiges Freizeitvergnügen bietet und in dessen Einzugsgebiet fast eine Million Menschen leben. In diesem trüben Teich steht so etwas wie die bergische Ursuppe.

Aber tatsächlich ist diese "Wupperquelle" gar nicht die wirklich wahre Quelle. Hier sammelt sich nur das Wasser aus 37 Quellen, die sich in einem geschützten Gebiet ein paar hundert Meter weiter oberhalb befinden. Die Wupper entspringt dort in einem kleinen Wäldchen, das Blumenwiesen umrahmen. Scharen von Touristen verirren sich hierhin nicht gerade in die Ortschaft Börlinghausen, die in der oberbergischen Gemeinde Marienheide liegt.

Die Wupper macht sich von hier auf ihren 117 Kilometer langen Weg bis zur Mündung in Leverkusen-Rheindorf. Auf dem ersten Abschnitt heißt sie noch Wipper und sorgt dabei für ein paar hübsche Ortsnamen: Klaswipper etwa, Holzwipper, Schmitzwipper und Böswipper. In Wipperfürth wird die Wipper dann zur Wupper.

Besonders in den Wupperorten von Radevormwald - Dahlhausen, Vogelsmühle und Dahlerau - hat der Fluss die Landschaft, die Wirtschaft und das Leben geprägt. Von 1815 bis in die 1990er Jahre stellte die Familie Hardt in Dahlerau Bekleidungsstoffe her. Das Wasser der Wupper trieb die Spinn- und Webmaschinen an. Im Umfeld der Firma entstand eine kleine "Textilstadt". Noch heute zeugt das Wülfingmuseum in Dahlerau von der ehemals blühenden Textilindustrie im Bergischen Land.

Einige Kilometer den Fluss hinunter hat die Wupper die Stadt Solingen zur Heimat der Schleifer geformt. Mehr als 100 Schleifkotten waren seit dem 16. Jahrhundert an den zahlreichen Bächen und Flüssen in Solingen angesiedelt und verliehen der Stadt ihren heutigen Beinamen Klingenstadt. 26 der Schleifkotten wurden vom größten Fluss der Stadt angetrieben - der Wupper. Am Fuße des Pfaffenbergs liegt noch heute der Balkhauser Kotten. Gemeinsam mit dem Wipperkotten zählt er zu den letzten erhaltenen Schleifkotten Solingens und ist Wahrzeichen der Stadt.

Heute dient der Fluss weniger der Wirtschaft, sondern vielmehr der Naherholung - vor allem Wassersportler fühlen sich auf der lebhaften Wupper wohl. Oft schippern sie in Kanus und Katamaranen vom Wipperkotten über Leichlingen nach Leverkusen. Dort mündet die Wupper nach gut 400 überwundenen Höhenmetern in den Rhein. Der Fluss besitzt ab Opladen keinen natürlichen Lauf mehr, sein Bett ist seit Langem begradigt. Bei Rheindorf stürzt der Fluss schäumend zwischen Felsen hindurch, um kurz darauf den längsten Nebenfluss, die Dhünn, aufzunehmen.

Die Mündung der Dhünn und der Wupper wurden in den 1960er Jahren verändert: Beide Flüsse mussten dem Entsorgungszentrum der Firma Bayer weichen. Darum liegt die historische Schiffbrücke der Wupper wenige hundert Meter von der heutigen Mündung entfernt.

Quelle: RP
 
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