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Remscheid
Der Zeitgeist vertrieb die Straßenbahn

Remscheid: Der Zeitgeist vertrieb die Straßenbahn
FOTO: Nein
Remscheid. Vor 50 Jahren fuhr die Linie 15 zum letzten Mal vom Friedrich-Ebert-Platz ab. Danach war die Verbindung Geschichte. Von Stefanie Bona

Am 30. April 1965 trat die Linie 15 ihre Abschiedstour an. Der Fahrer setzte in der Nacht noch einmal zur Ehrenrunde rund um den Friedrich-Ebert-Platz an und dann war die direkte Straßenbahnverbindung zwischen Wuppertal und Remscheid Geschichte. "Der Zeitgeist war damals so. Die allgemeine Denkweise war eben contra Straßenbahn", sagt Wolfgang Reimann, der sich von Jugend an mit der Geschichte dieses Verkehrsmittels beschäftigt hat und bei einer Sonderfahrt vor 50 Jahren noch einmal Fahrgast der Linie 15 war.

Mit Girlanden aus Blattgrün und Fähnchen geschmückt, fuhr die Bahn am Nachmittag des 30. April ausnahmsweise bis zur Remscheider Talsperre, wo ansonsten am Ebert-Platz die Remscheider Endstation war. "Das war ein schöner, sonniger Tag", erinnert sich Reimann noch an viele Details. Immer wieder stieg er aus, lief neben dem Wagen her, um Bahn und Strecke mit der Kamera im Bild festzuhalten. Er knipste und knipste, so dass die mitgeführten Rollfilme nicht ausreichten. "Da musste ich mir von einem anderen Mitfahrer noch dessen Kamera ausleihen" entsinnt er sich schmunzelnd.

Fast sei es noch zu einem Zusammenstoß mit einer planmäßig fahrenden Bahn gekommen, deren Fahrer von dem Sonderwagen überrascht wurde. Eigentlich sei die Verbindung zwischen Elberfeld und Remscheid-Innenstadt immer sehr gut ausgelastet gewesen. Zurückgehende Nutzerzahlen seien jedenfalls nicht der Grund für das Aus der Strecke gewesen, die seit 1900 bestand. Bis 1951 musste man in Hasten umsteigen. Fortan gab es eine Direktverbindung, die von den Stadtwerken Remscheid und Wuppertal gemeinsam betrieben wurde. "Man scheute die Investition in die Gleisanlagen, die bevorgestanden hätte. Es gab keine Bereitschaft mehr, in die Strecke zu investieren", erzählt der in Lennep wohnende Straßenbahn-Experte. Fortan wurde die Strecke als Busverbindung geführt. Die Fahrzeit war mit 30 Minuten deutlich schneller als die Straßenbahn, die eine knappe Stunde für den Weg benötigte. Auch 50 Jahren nach der letzten Fahrt der Linie 15 gebe es immer wieder neue Erkenntnisse, berichtet Reimann. Erst kürzlich hat er von einem Amerikaner gehört, der genau an diesem Tag in Remscheid war und das Geschehen in einem Film festgehalten hat. Wolfgang Reimann wurde nun gebeten, die einzelnen Sequenzen des Streifens den verschiedenen Ortschaften entlang der Strecke zuzuorden. "Ich möchte mich gerne um die Filmrechte bemühen", kündigt er an. Damit dieses bedeutende Stück bergischer Verkehrsgeschichte noch ein bisschen lebendiger für Zeitzeugen und nachfolgende Generationen erhalten bleibt.

Quelle: RP
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