| 00.00 Uhr

Remscheid
Die Angst geht mit beim Friedhofsbesuch

Remscheid. Der Kommunale Ordnungsdienst will mehr Präsenz in der Stadt zeigen. Seine Kapazitäten sind aber sehr beschränkt. Seniorensicherheitsberater geben Tipps, worauf unbedingt zu achten ist. Von Christian Peiseler und Solveig Pudelski

Meldungen wie diese haben das Zeug dazu, die Atmosphäre in einer einer Stadt zu verändern. Eine 76-jährige Frau ist am 11. April auf dem Stadtfriedhof an der Kirchhofstraße brutal überfallen worden. Nach Angaben der Polizei war die Seniorin gerade mit der Grabpflege beschäftigt, als ein Mann sie von hinten packte und zu Boden stieß. Der Täter schlug und trat die wehrlose Frau. Sie schrie laut um Hilfe. Zum Glück kamen drei Jugendliche vorbei. Der Angreifer flüchtete in Richtung Gesundheitsstraße. Vom Täter keine Spur. Bis heute.

Schnell macht das Wort "Angstraum" die Runde. Kann man als älterer Mensch noch ohne Begleitung auf den Friedhof gehen? Lauern die Diebe nun schon hinter jedem Grabstein und stürzen sich auf die körperlich Schwächsten der Gesellschaft? Die Statistik der Polizei wiederlegt das Gefühl, dass die Angsträume in Remscheid größer geworden sind. Nach Auskunft der Polizei ist in den vergangenen zwölf Monaten ein Rückgang von Anzeigen zu verzeichnen, bei denen ältere Menschen als Geschädigte genannt wurden. Im zweiten Halbjahr des vorigen Jahres gingen auf der Polizeidienststelle 30 Anzeigen ein. Von Januar bis Mai in diesem Jahr waren es noch zehn.

Mehr Präsenz in der Öffentlichkeit. Das ist ein Ziel des Kommunalen Ordnungsdienst (KOD), der sich regelmäßig bei sogenannten Problembezirken blicken lässt. Dadurch soll die Entstehung von "Angsträumen" verhindert werden, heißt es in einer Aufgabenbeschreibung. Mit fünf Vollzeitkräften ist der KOD ausgestattet. Ihre Arbeitszeit geht im Schichtdienst von montags bis freitags von acht Uhr bis 22 Uhr. In dieser Personalstärke ist die Präsenz in den Problembereichen daher ziemlich klein gehalten. Aus der Ecke der Senioren kommen daher Anregungen, sich doch eine Begleitung zum Beispiel bei der "Taschengeldbörse" zu organisieren. Die Taschengeldbörse richtet sich vor allem an Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren und insbesondere ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen, die Unterstützung brauchen. Vergeben werden können einfache, ungefährliche und unregelmäßige Arbeiten. Die Begleitung zum Friedhof ist das eine, das andere sind die alltäglichen Gefahren beim Einkauf.

Eine Handtasche, prall gefüllt mit Bargeld, Papieren und EC-Karte, womöglich noch geöffnet beim Einkaufen abgestellt, ist geradezu eine Einladung an Diebe hinzulangen. Und dennoch ist diese Unvorsichtigkeit vieler Menschen häufig zu beobachten.

Sie sanft auf das Verhalten und bessere Vorsichtsmaßnahmen hinzuweisen, ist eine Aufgabe von ehrenamtlichen Seniorensicherheitsberatern. "Sie sprechen die Leute gezielt auf der Straße, beim Einkauf oder im Café an", sagt Kriminalhauptkommissarin Mechthild Bach. Sie ist im Polizeipräsidium Wuppertal für Kriminalprävention und Opferschutz zuständig. Allein in Remscheid betreut sie 16 ehrenamtliche Seniorensicherheitsberater, die im Auftrag der Stadt unterwegs sind. Auf Augenhöhe mit den Senioren, geben diese Berater, die in Zivil unterwegs sind und einen Ausweis mitführen, Tipps wie Handtasche oder Portemonnaie nicht in den Einkaufswagen zu legen oder diesen nur geschlossen zu tragen, nicht alles an Kreditkarten und Papieren mitzunehmen und nicht zu viel Bargeld herumtragen. Auch ein Handtaschenalarm könne nicht hundertprozentig vor einem Diebstahl schützen, betont Bach.

Die Ehrenamtlichen seien aber nicht nur mit wachen Augen unterwegs, sie halten auch auf Einladung Vorträge. Dabei geht es nicht nur um Kriminalprävention, sondern auch um Verkehrssicherheit, Opferschutz und Verbraucherrecht.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: Die Angst geht mit beim Friedhofsbesuch


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.