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Serie Erben Und Vererben (7)
Die Firmennachfolge sollte frühzeitig geregelt werden

Remscheid. Übergabe eines Unternehmens muss sorgsam vorbereitet sein. Auch Banken beraten bei diesem Schritt Von Michael Bosse

Remscheid Nicht nur in Privathaushalten spielt das Vererben eine wichtige Rolle, auch in Wirtschaftsunternehmen wird das Thema immer relevanter: Nach Expertenschätzungen stehen in den kommenden Jahren in Deutschland rund 30 000 Firmenübergaben an - weil sich die jetzige Generation altersbedingt aus dem Tagesgeschäft zurückzieht und an die Nachkommen oder auch die eigene Belegschaft übergibt. Klappt beides nicht, kann ein Investor von außen zugreifen, ansonsten droht das Ende der Geschäftstätigkeit.

Gerade in kleinen und mittelständischen Firmen, wie sie in Remscheid vornehmlich zu finden sind, sollte die Frage nach der Unternehmensregelung nicht auf die lange Bank geschoben werden. "Die Unternehmen sollten sich frühzeitig um einen Nachfolger kümmern", rät Oliver Kaul, Leiter der Firmenkunden-Abteilung der Volksbank Remscheid-Solingen. Die Volksbank berät ihre Kunden bei der Firmennachfolge und klärt die Vergabe möglicher Kredite - schließlich muss ein Unternehmen auch immer wieder investieren, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Vor allem in kleinen Unternehmen gebe es immer wieder das Problem, dass Firmenchefs "zu spät loslassen" und die Geschäftsführung nicht rechtzeitig an die nächste Generation weitergäben, erzählt Kaul. Um das zu verhindern, böte sich zum Beispiel an, dass der Seniorchef noch eine Zeitlang das Unternehmen "begleitet". Das sei auch deshalb sinnvoll, weil die alten Chefs eine "super Erfahrung" mitbrächten. Die jüngeren Nachfolger könnten dagegen eher auf moderne Unternehmensführung setzen.

Die Übergabe der Firma an Mitglieder der eigenen Familie ist nach Angaben von Unternehmensberater Thomas Schneider aber längst nicht mehr unbedingt die Regel. "Die junge Generation möchte heutzutage eigene Wege gehen", sagt er. Alternativ könnte die Belegschaft das Unternehmen übernehmen und weiterführen - in diesem Fall spricht man von einem sogenannten Management Buy-Out. Volksbank-Vertreter Kaul schätzt, dass bei den mittelständischen Unternehmen der Region etwa 60 bis 70 Prozent der Firmen an Mitglieder der Familie oder die Belegschaft weitergereicht werden.

Um den Übergang ohne betriebswirtschaftliche Verwerfungen über die Bühne zu bekommen, sei es unbedingt nötig, dass das Unternehmen gemeinsam mit Rechtsanwälten, Notaren oder Steuerberatern eine Geschäftsbilanz aufstellt, erklärt Unternehmensberater Schneider. Das sei auch deshalb wichtig, weil die Banken trotz der derzeit niedrigen Zinsen bei der Vergabe von Krediten genau darauf achteten, dass die finanziellen Verhältnisse stimmen.

"Die Banken verdienen mit den Zinsen ja kein Geld, da wollen sie eine erstklassige Bonität", sagt Schneider. Auch bei der Bergischen Industrie- und Handelskammer weiß man um die Wichtigkeit des Themas. Das sei bundesweit ein "gesamtwirtschaftliches Problem", sagt der Referent für Existenzgründungen und Unternehmensförderung bei der Kammer, Andre Scheifers. Oft würden Firmenchefs auch aus psychologischen Gründen zu lange an dem Bestehenden festhalten und zu wenig an die Zeit nach ihnen denken.

Auch wenn es individuell ganz unterschiedlich sein kann - grundsätzlich sollten sich Chef ab etwa 50 Jahre und aufwärts intensiver mit dem Thema auseinandersetzen: Schließlich werden für einen Firmenübergang etwa ein bis drei Jahre veranschlagt. Um die Unternehmensnachfolge zu erleichtern, bietet die IHK zudem ihren Mitgliedern viermal im Jahr - jeweils einmal im Quartal - einen Nachfolgesprechtag an.

Quelle: RP
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