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Analyse
Die Fokussierung auf das DOC rächt sich jetzt

Remscheid. Das DOC hat zwei Remscheider Stadtplanern als Sprungbrett gedient. Für die Stadt wäre es wichtig, wenn ihr Nachfolger auch die vielen Baustellen anpackt, die es sonst noch in Remscheid gibt. Von Henning Röser

Wenn der Rat am 13. Dezember den Bebauungsplan für das DOC in Lennep verabschiedet, hat Robin Denstorff allen Grund zur Freude. Für den Stadtplaner und Leiter des Referats Stadtentwicklung, Bauen und Wirtschaft, der im Juni 2015 als Nachfolger von Sigrid Burkhart aus Rheinbach nach Remscheid kam, ist das ein schöner Erfolg. Das Leuchtturm-Projekt wäre damit zumindest planerisch vollendet.

Die nicht unproblematische Umsetzung müssen andere stemmen, denn Denstorff zieht es weiter, auf die nächste Stufe der Karriereleiter. In Münster hat der Rat vorgestern seiner Ernennung zum Baudezernenten zugestimmt. Größere Stadt, bessere Dotierung, mehr Renommee - wer könnte ihm diesen Schritt verdenken. Denstorff ist mit 38 Jahren noch jung.

Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack. Der Eindruck, dass Denstorff nur auf der Durchreise ist, dass Remscheid dank seiner in ganz NRW mit Spannung verfolgten Pläne, ein DOC gleich neben einer historischen Altstadt zu bauen, nur ein Sprungbrett für den noch jungen Bauexperten ist, setzte sich schnell fest. So tief wie Sigrid Burkhart es in nur wenigen Monaten vermochte, arbeitete sich Denstorff in seiner Remscheider Zeit in die Themen der Seestadt auf dem Berge nicht ein.

Und entwickelte so nicht das Gespür für die Remscheider Befindlichkeiten, das es braucht, wenn man hier langfristig erfolgreich arbeiten will. Nur so ist es etwa erklärlich, wie lapidar in diesem Sommer die Rolle rückwärts bei der Nutzung des Gewerbegebietes am Lenneper Bahnhof verkündet wurde. Als hätte es die vorausgehende Diskussion mit den vom DOC verdrängten Lenneper Brauchtums-Vereinen über einen neuen Festplatz nie gegeben, wurde der Platz im Gewerbegebiet, der kurz zuvor noch nach Auskunft von Denstorff und dem Oberbürgermeister unbedingt für einen großen Investor reserviert bleiben musste, per Federstrich zum neuen Domizil der Feuerwehr erklärt. So stößt man Menschen vor den Kopf. Auch die Informationspolitik rund um den Stadionneubau in Hackenberg war und ist unglücklich. Plötzlich steht eine Kostenbeteiligung der betroffenen Vereine zur Debatte.

Nun wollen Rat und Oberbürgermeister - knapp zehn Jahre nach der turbulenten Abwahl von Helmut Kennepohl - wieder einen Baudezernten in Remscheid installieren. Ein Headhunter soll einen geeigneten Bewerber (oder eine Bewerberin) finden, der sich neben der DOC-Umsetzung auch um all die anderen Baustellen kümmert, die es in der Stadt ja auch noch gibt, und die zuletzt durch die Fokussierung auf das Outlet-Center fast völlig beiseite gedrängt wurden. Man denke nur an den Umbau der Innenstadt, oder die Entwicklung von Gewerbeflächen (Remscheid hat keine mehr).

Man muss diesem "Kopf-Jäger" viel Glück und ein gutes Auge wünschen. Remscheid braucht einen Denstorff-Nachfolger, der in der Stadt richtig ankommt und auch perspektivisch etwas bewegen will.

Ob OB Mast-Weisz dem zweiten Verlust eines Chef-Planers in kurzer Zeit hätte verhindern können, indem er dessen Aufgaben früher in einem Baudezernat bündelt, ist jetzt eine müßige Spekulation. Immerhin: Als Sprungbrett kann das DOC dem neuen Dezenten nun kaum noch dienen.

Quelle: RP
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