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Remscheid
"Die Kinder bleiben auf der Strecke"

Remscheid: "Die Kinder bleiben auf der Strecke"
Gutes Essen alleine reicht nicht. In vielen Offenen Ganztagsgrundschulen fehlt es an genügend Platz für eine Nachmittagsbetreuung, die ihrem Anspruch gerecht werden kann, Kindern zu fördern und nicht nur zu verwahren. FOTO: HN (Archiv)
Remscheid. Als Alexandra Noch-Klein vor 15 Jahren als Erzieherin bei der OGS der Grundschule Menninghausen ihre Arbeit aufnahm, kamen 13 Kinder in die Nachmittagsbetreuung. Um jedes einzelne Kind konnten sich die Erzieher kümmern. Das ist heute völlig anders.  Von Christian Peiseler

Mit ihrem zehnköpfigen Team muss sie schauen, dass 169 Kinder, die nach der Schule eine der vier Räume nutzen wollen, so gut wie möglich versorgt werden. Doch gut ist nicht immer möglich. Die Kinder müssen in Schichten essen. Rechnerisch hat jedes Kind nur 1,58 Quadratmeter Platz. Nicht jedes hat einen Stuhl oder ein eigenes Fach, wo der Tornister abgestellt werden kann. Ausruhen, Spielen, kreativ sein, Abschalten - das sind Wunschträume, die im Alltag der OGS Menninghausen keinen Platz haben. "Die Kinder bleiben auf der Strecke", sagt Erzieherin Claudia Böker-Aukschlat. An der OGS Hackenberg sieht die Welt der Kinder besser aus. In den fünf Räumen finden die 158 Schüler meist die Möglichkeit, sich nach dem Unterricht nach Lust und Laune zu beschäftigen. Leiterin Dorothee Robra schildert die Begeisterung von Gäste-Schülern, die mal eine Freistunde in den Räumen verbringen: "Feiert ihr hier etwas?", lautet die erste Frage. Am Nachmittag können auch die zehn Klassenräume der Grundschule für Arbeitsgemeinschaften und Hausaufgabenbetreuung genutzt werden.

Die Situationen der einzelnen OGS in Remscheid unterscheidet sich von Standort zu Standort. In Goldenberg leiden Mitarbeiter und Schüler unter akutem Platzmangel. Zwei Räume für 60 Schüler. Kein Ruheraum, keine Turmhalle. Wenn es draußen regnet, wird die Situation für alle ziemlich nervig. Keine zwei Kilometer weiter herrschen in der OGS Eisernstein viel angenehmere Zustände. Die Räume der abgängigen Hauptschule ließen sich großzügig ins OGS-Konzept integrieren.

2405 Grundschulkinder gehen in eine OGS. Mit einer Quote von 61 Prozent steht Remscheid im Landesvergleich gut da. Für Gerda Spaan von der "Verlässlichen", dem größten Träger offener Ganztagsschulen der Stadt, ist das System aber deutlich unterfinanziert. "Wir können häufig unseren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden", sagt Spaan.

Sie fordert mehr Geld für diesen Bereich. Geld für eine bessere Bezahlung der Erzieher, und Geld für eine bessere Infrastruktur. "Fünf Prozent der Kinder stehen auf einer Warteliste. Das ist nicht akzeptabel", sagt Spaan.

Im nächsten Schuljahr wollen in Menninghausen noch mehr Eltern ihre Kinder für eine Nachmittagsbetreuung anmelden. 39 verlassen die Schule, 50 Anmeldungen liegen vor. Wie das funktionieren soll, ist Alexandra Noch-Klein schleierhaft. Aussicht auf mehr Fachkräfte und neue Räume bestehen nicht. Jahrelange Bemühungen brachten keine Erfolge. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Noch-Klein. Es klingt, als gehe es nur noch ums nackte Überleben.

Quelle: RP
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