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Remscheid
Die Leiden der jungen Effie Briest

Remscheid. Schüler des Leibniz-Gymnasiums spielen Fontanes großen Eheroman. Von Anna Mazzalupi

Es bedarf nicht immer eines pompösen Bühnenbildes, um den Kern einer Geschichte zu transportieren. Manchmal reichen auch zwei verschiedene Tisch-Stuhl-Kombinationen aus, um das Wesentliche deutlich zu machen.

Der Literaturkursus der Q1 vom Leibniz-Gymnasium hielt es beim Bühnenbild für seine Inszenierung des bekannten Theodor Fontane Romans "Effi Briest" genau so: Auf der linken Seite präsentieren zwei ansehnliche Gartenstühle das Elternhaus von Effi (Anna Teixeira Bosch), in dem sich die junge, verspielte und abenteuerliche Frau immer wohlgefühlt hat. Rechts dominiert ein dunkler, veralteter Holzton das Bild. Hier spiegelt sich wider, wie unwohl sich Effi im Haus ihres Ehemanns Baron Geert von Innstetten (Marvin Wiebel) fühlt, der sie mit Spukgeschichten versucht, unter Kontrolle zu halten.

Bei der eigenen Bühnenversion unter Regie von Raimund Geuter spielen sich die Schüler durch viele einzelne Szenen, die von Leid und Schicksal erzählen. Effi, die aus gutem Hause mit 17 Jahren von ihren Eltern mit dem älteren Innstetten verheiratet wird, sehnt sich schnell nach Leidenschaft und beginnt eine Affäre mit Major von Crampas (Ahmet Gözel). Innstetten wird lange, nachdem die Liaison bereits ein Ende hat, darauf aufmerksam und zwingt sich, der gesellschaftlichen Norm zu folgen. So fordert er Crampas zum Duell, verbannt Effi aus seinem Leben und ruiniert am Ende sein eigenes Leben damit.

Die Konflikte und auch die von Fontane bewusst platzierte Gesellschaftskritik über das Festhalten an veralteten Konventionen sind anspruchsvolle Themen, die die Darsteller gekonnt zu verkörpern wussten. Teile der Geschichte wurden durch die Briefe Effis an ihre Eltern erzählt. Andere Passagen trugen im Wechsel die Nebendarsteller vor. Die Schlüsselszenen wurden auf der Bühne gespielt

Anna Teixeira Bosch glänzte souverän in der umfangreichen Rolle der ambivalenten Effi, die zwischen den Erwartungen anderer und ihren eigenen Wünschen zerrissen ist. In fast jeder Szene der zweieinhalbstündigen Aufführung war Bosch zu sehen. Insgesamt zeigte sich das Ensemble des Literaturkurses sehr spielfreudig, patzte in der anspruchsvollen Inszenierung nur ganz selten.

Quelle: RP
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