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Nacht Der Kultur Und Kirchen Alt-Remscheid
Die Nacht ist zu kurz für so viel Kultur

Nacht Der Kultur Und Kirchen Alt-Remscheid: Die Nacht ist zu kurz für so viel Kultur
"Das Leben ist schön" war das Motto des Variete-Events an der Scharffstraße. Der Kinderzirkus Krümel bot eine tolle Show im Neonlicht. FOTO: (3) Nico Hertgen
Remscheid. Bei Ausstellungen, Varietespektakel, Lesungen, Livemusik und Führungen kommen Kulturhopper voll auf ihre Kosten. Von Stefanie Bona

Die "Vaillant Nacht der Kultur und Kirchen" beginnt ruhig und beschaulich am Stadtfriedhof. Durch die Fenster der kleinen Kapelle dringt warmes Licht. Hier zeigen Frauke Fuck und Heinz-Eberhard Boden, dass der zentral in der Remscheider Innenstadt gelegene Friedhof ein Garten der Erinnerung und auch ein Kulturdenkmal ist. 1000 Fotografien haben die beiden Fotokünstler binnen zwölf Monaten erstellt und lassen damit den Stadtfriedhof im Licht der Jahreszeiten erscheinen.

Die Bilder schmücken die Wände der Friedhofskapelle und werden auf eine Leinwand projiziert. Ein eher besinnlicher Beitrag zur Kulturnacht, der durchaus seine Interessenten findet. Hundert Meter weiter tummeln sich die Nachtschwärmer im Küchenstudio an der Schulgasse. Zwischen Arbeitsplatte, Herd und Spüle werden Goldschmiedearbeiten, Bilder und Skizzen ausgestellt - ein Spannungsfeld zwischen Küchendesign und Kunst. Kaum sind in der Stadtkirche die letzten Töne von Orgel und Saxophon verklungen, bedienen sich die Gäste an Bier und Schnittchen oder strömen gleich zum Vaßbendersaal, der den bildenden Künstlern gehört.

Die Tatort-Inszenierung vor der Bücherei animierte Besucher dazu, sich spontan als Leiche niederzulegen. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)

Die Panorama-Bilder von Helmut Harhaus brauchen Fläche. Impressionen von Bornholm, Irland oder auch aus dem Oberbergischen hat der Lenneper Fotograf auf Leinwand gezogen. "Manche Bilder wirken erst in dieser Größe", erklärt er den Besuchern, die mit ihm genauso intensiv das Gespräch suchen, wie mit den anderen Künstlern, die Objekte aus Stoffen oder Malerei ausstellen. Keine Frage - die Kulturnacht wird erneut sehr gut von der Öffentlichkeit angenommen.

Es ist ein Kommen und Gehen, ein Staunen und Vergleichen, Bewundern und Freuen. Und zweifelsohne ist diese Veranstaltung auch ein Treffpunkt. Marga trifft Gisela, Michael den Fritz, ganze Familien und Freundeskreise sind auf Wanderschaft durch die Nacht. Wie in jedem Jahr ist das Dreieck Teo Otto Theater, das schillernd illuminierte Schieferhaus an der Scharffstraße 3 und die Zentralbibliothek ein Publikumsmagnet. Vor der Bücherei hat die "Spurensicherung" ganze Arbeit geleistet.

Auf einer Leinwand am illuminierten Rathaus zeigte das Stadtmarketing einen Film aus dem Stadtpark. Er soll ansteckend wirken. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)

Der "Tatort" ist mit Flatterband abgesperrt, die Umrisse des "Getöteten" sind eingezeichnet und die Fundstücke nummeriert. "Papa, wurde da wirklich jemand ermordet? Los, sag doch", quengelt ein kleines Mädchen bevor der Vater aufklärt, dass dieses Bild an diesem Kulturort zum Thema "Kriminacht" gehört. In der Bibliothek gibtQs Lesungen, mancher zieht sich zwischen die Buchregale zurück, andere feiern mit dem fulminant aufspielenden Bands der Musik- und Kunstschule.

Das Wetter ist ideal, um sich stundenlang zu Fuß durchs kulturell kreative Remscheid zu machen. Vor dem Teo Otto Theater werden Gulasch- und Erbsensuppe im Freien gelöffelt, kein Platz an der langen Tafel ist mehr frei. Im Theater selbst ist bis in die Nacht volles Haus, es gibt Klatschmarsch zu Rossini und wippende Füße, als die "Blassportgruppe" aufspielt. Wo man hinhört, ist die Begeisterung über die erneut gelungene Veranstaltung groß und selbst außerhalb gelegene Veranstaltungsorte erfreuen sich großen Zuspruchs.

Eine Besucherin schwärmt über die tolle Stimmung im Steffenshammer und von den dort servierten "köstlichen Reibekuchen". Bevor sich Arntraud Kieke ins Zentrum aufgemacht hat, hat sie im Lindenhof vorbeigeschaut. "Dort war es so schön. Überhaupt ist es toll. Da tut es mir fast ein bisschen Leid, dass sich alles auf einen Abend konzentriert", sagt sie. Das finden auch die Kulturhopper, die sich auf den Weg ins Historische Zentrum gemacht haben.

Das inzwischen leer geräumte Haus Cleff ist hell erleuchtet, fast könnte man meinen, hier wohne noch jemand. Nonstop unternimmt der Förderverein zum Erhalt des historischen Kleinods Führungen vom Erdgeschoss bis in den Speicher, während nebenan im Werkzeugmuseum die große Dampfmaschine im Mittelpunkt steht. Um kurz vor halb elf ist der Suppentopf leer, während das Waffeleisen weiter munter vor sich hin dampft. Zufriedene Gesichter bei Gastgebern und Gästen.

Quelle: RP
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