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Heimat entdecken im Bergischen Land
Die Nase im bergischen Wind

Heimat entdecken im Bergischen Land: Die Nase im bergischen Wind
FOTO: Nico Hertgen
Remscheid. Jörg Stursberg ist begeisterter Cabriofahrer. Mit seinem Fiat-Oldtimer kurvt er am liebsten durch das Bergische Land. Unser Reporter nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Von Michael Bosse

Wenn Jörg Stursberg mit seinem Fiat 1200 Cabriolet unterwegs ist, dann geht es nicht um schnelles Ankommen, sondern um das Vergnügen und den Spaß am gepflegten Fahren, dann geht es um den Weg, nicht das Ziel. Vor allem das Bergische Land hat da nach Ansicht des Oldtimerfans einiges zu bieten.

"Die Ausfahrten im Bergischen Land sind immer wieder schön", sagt Stursberg, während er seinen Zweisitzer über Nebenstraßen von Remscheid-Lennep nach Wuppertal-Beyenburg steuert. Normalerweise dauert die Fahrt etwa eine Viertelstunde, Stursberg nimmt aber einige Nebenrouten und kann die Fahrtzeit deshalb in etwa verdoppeln.

Das Szenario ist für einen Cabriofahrer aber auch einfach zu verlockend: Die Sonne scheint, noch gibt sich der Herbst milde, von den Wolken geht keine Regengefahr aus. Nach jeder Kurve gibt es neue Ausblicke auf die hügelige grüne Landschaft. Obwohl die Sitze gut gepolstert sind, spürt man jede Unebenheit und jedes Schlagloch. Durch die offene Karosserie kommt einem zudem die Geschwindigkeit höher vor als in einem geschlossenen Fahrzeug. "Ich fahre immer recht langsam", sagt Stursberg. Dass der graue Fiat weder Servolenkung noch ABS hat, nimmt er gerne in Kauf. "Diese Autos haben Charakter. Die kann man riechen und fühlen", sagt der 61-jährige Exportkaufmann. Viele Cabrios kommen ihm heute entgegen, bei den Oldtimern grüßt er kurz mit der Hand. Man kennt sich in der Szene: Stursberg organisiert schließlich auch regelmäßig Oldtimer-Rallyes wie etwa die "Hasten Historic".

Seinen Fiat nutzt Stursberg für Rallyes aber eher selten, lieber nimmt er das Auto für Ausfahrten nach Feierabend oder am Wochenende. Da kann er dann neue Routen erkunden und für künftige Rallyes vormerken. Stilecht wie es sich geziemt, wird dabei aber auf ein Navi verzichtet. "Ich fahre immer der Nase nach und nach Lust und Laune", sagt er.

Für Anfänger hat Stursberg eine einfache Empfehlung: "Sie sollten auf jeden Fall Nebenstrecken nutzen und durch wenig bewohntes Gebiet fahren", sagt er. Literatur dazu gebe es reichlich, er allerdings vertraue da eher seinem Instinkt.

Was Stursberg damit meint, wird auf der Rückfahrt nach Remscheid deutlich. In eine kleinere Straße mit einem Einfahrt-verboten-Schild für Lastwagen lenkt er kurzerhand sein Gefährt nach rechts. Es geht einen kleinen Berg herunter und durch eine Hofschaft, durch die eine enge Straße führt. "Angst vor engen Straßen darf man nicht haben", sagt er. Ein etwas kindliches Vergnügen daran, nicht bekannte Wege zu befahren und zu erkunden, ist unverkennbar.

Bestimmte Lieblingsstrecken hat Stursberg nicht - oder kaum: Auf Nachfrage verrät er lediglich, dass er die Strecke von der Bever-Talsperre nach Wipperfürth gerne fährt. Ansonsten ist ihm jede Strecke gleich viel wert - so lange er den Fahrtwind spürt, den Ausblick auf die Landschaft genießen kann und in Bewegung bleibt. "Wenn man so die Landschaft sieht, dann ist das einfach nur genial", sagt er. Die Ausfahrten gemeinsam mit der Freundin sind deshalb ein fester Bestandteil der Freizeitgestaltung.

Als Cabriofahrer muss man zudem immer spontan bleiben, lohnt sich das Fahren doch nur bei Sonnenschein. "Einen solchen Wagen fährt man nur bei schönem Wetter", erklärt Stursberg. Als junger Mann war er wegen einer Verletzung von der Handballabteilung des PSV Remscheid in die Motorsportabteilung gewechselt. Damals begann er dann mit den ersten Rallyes, fuhr auch viel Motorrad. Als dann einmal der Kauf eines Cabrios anstand, stand für ihn fest: "Wenn schon ein offenes Auto, dann ein altes."

Mittlerweile fährt er seinen dritten Fiat. "Ich habe ein Faible für Italien", sagt Stursberg. Die Witze und Wortspiele über die angeblichen technischen Defizite des Turiner Autobauers kennt er zur Genüge, kann sie aber nicht bestätigen. "Für mich steht Fiat für 'Feuer in allen Töpfen'", sagt er. Wobei die Motorleistung seines Autos aus dem Jahr 1960 durchaus moderat ist. Der 1,2 Liter große Motor bringt es auf 52 PS. Da muss niemand Rennen fahren, sondern kann ganz gemütlich durch die Landschaft rollen. Schließlich möchte Stursberg den Weg genießen - und jede Kurve oder auch Nebenstrecke ist da eine Chance auf eine Steigerung des Fahrspaßes.

Quelle: RP
 
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