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Remscheid
Die Predigt als Unterhaltungs-Form

Remscheid: Die Predigt als Unterhaltungs-Form
Annemarie Faßbender war einer der drei Redner beim ersten "Bergischen Preacher Slam". Sie trug einen von Tiefgang geprägten Text vor. FOTO: Moll
Remscheid. Beim ersten "Bergischen Preacher Slam" in der Stadtkirche trugen die Redner Texte rund um das Thema Engel vor. Die drei Teilnehmer stellten dabei ihre Entertainer-Qualitäten unter Beweis. Von Stefanie Bona

Die Premiere ist gelungen - den ersten "Bergischen Preacher Slam" können die Initiatoren als Erfolg verbuchen. Zwar stellten sich in der Remscheider Stadtkirche nur drei statt der angekündigten sechs Redner mit ihren Predigttexten dem Votum der Kirchenbesucher, ihre Gedanken überzeugten aber unisono auf ganzer Linie.

Rolf Haumann, Jugendreferent des Evangelischen Kirchenkreises Lennep, und Philipp Müller, Pfarrer der Lutherischen Kirchengemeinde Radevormwald, waren unabhängig voneinander auf dieses Format aufmerksam geworden. "Wir wollen mal schauen, wie das ankommt - auch im Hinblick auf das Lutherjahr 2017", sagte Haumann gegenüber der BM. Wie beim "Poetry Slam", einer Art Gedichte-Wettbewerb, sollten die Kandidaten zum Thema "Engels Zungen - Gottes Wort ist schärfer als jedes Schwert" ihren Text möglichst ansprechend präsentieren.

Annemarie Faßbender, ehemalige Vorsitzende des Remscheider Jugendrats und Mitglied der Luther-Kirchengemeinde Remscheid, stellte einen berührenden, poetischen Text vor, in dem sie sich Engel, die in einer aus den Fugen zu geratenden Welt für Ordnung sorgen, herbeiwünschte. Über den Tiefgang und die schöne Sprache der 19-jährigen Jugendpolitikerin konnte man nur staunen.

Seine Entertainer-Qualitäten stellte Johannes Keller ganz à la "Blues Brothers" mit schwarzem Hut und Sonnenbrille unter Beweis. Im Frühjahr wechselte er von der Pfarrstelle bei der Evangelischen Kirchengemeinde Lüttringhausen zum Deutschen Evangelischen Kirchentag nach Berlin. Er widmete sich in Reimform den Engeln aus Sicht eines Erdenkindes, das nicht recht weiß, wie es mit den Himmelsboten kommunizieren soll.

Guido Dehn, Sozialarbeiter und Presbyter aus Lennep, wünschte sich, Gott im Himmel möge doch etwas mehr einem hinreichend bekannten Küchengerät ähneln, das wegen seiner automatisierten Kochkünste "von Zauberhand" in aller Munde ist und hoch gelobt wird. Küchenwaage, Mixer und Co. erledigen sich da wie von selbst. Wie oberflächlich in der modernen Gesellschaft doch Materielles und auch Unwichtiges behandelt, ja geradezu angebetet wird, legte sein amüsanter Vortrag schonungslos dar.

Für jeden Beitrag gab es in der von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen besuchten Stadtkirche tosenden Applaus. Abgestimmt wurde mit grünen und roten Karten, wobei sich das Publikum mit den Moderatoren Haumann und Müller einig war, dass dieser "Preacher Slam" unbedingt drei Sieger verdient hatte. Ein Besuch der kurzweiligen und wortgewaltigen Veranstaltung lohnte sich überdies allemal wegen der musikalischen Gestaltung. Der sehr gute Junge Chor "up to date" aus Dabringhausen war mit diversen Songs ein hervorragender Stimmungsmacher.

Quelle: RP
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