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Bm-Reihe Die Gesundmacher
Die richtige Hilfe bei Alterserkrankungen

Bm-Reihe Die Gesundmacher: Die richtige Hilfe bei Alterserkrankungen
Chefarzt Professor Dr. Nikolaus Michael. FOTO: jürgen moll
Remscheid. Gerontopsychiatrische Klinik hat ein umfassendes Angebot für voll-, teilstationäre und ambulante Behandlung von Senioren. Von Stefanie Bona

Remscheid Mit der älter werdenden Bevölkerung kommen nicht nur Diagnostik und Therapie körperlicher Gebrechen und typischer Erkrankungen des Alters eine besondere Bedeutung zu. Auch die Psyche der Seniorinnen und Senioren muss gezielt und differenziert betrachtet werden. Darauf hat sich die Evangelische Stiftung Tannenhof in ihrer gerontopsychiatrischen Klinik eingestellt.

Sowohl am Kliniksitz in Remscheid-Lüttringhausen als auch am neuen Standort in der Sanderstraße in Barmen und in der psychiatrischen Tagesklinik in Elberfeld gibt es ein umfassendes Angebot für voll- und teilstationäre und ambulante Behandlung älterer Menschen. "Dabei muss man betrachten, dass zum einen auch psychisch Kranke alt werden und zum anderen, dass sich bestimmte Krankheitsbilder erst mit dem Alter einstellen", erklärt Chefarzt Professor Dr. Nikolaus Michael.

Das geläufigste Beispiel dafür ist wohl die Altersdemenz. Viele Familien kennen die Erkrankung aus nächstem Umfeld bei Eltern und Großeltern. Zudem finden Demenzen von allen gerontopsychiatrischen Erkrankungen in den Medien die meiste Beachtung. Doch auch vorübergehende Verwirrtheit, Funktionsstörungen des Gehirns und psychische Leiden, die sich durch gravierende Lebensereignisse wie den Verlust des Partners einstellen, bedürfen einer Therapie.

"Außerdem haben alle chronischen Erkrankungen das Risiko, dass eine Nervenerkrankung hinzu kommt", erläutert der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Herzpatienten zum Beispiel entwickelten nicht selten eine Depression, ohne zuvor im Leben davon betroffen gewesen zu sein.

Genau wie depressive Episoden in jüngeren Jahren verursacht auch eine Altersdepression häufig körperliche Symptome. Die Patienten klagen etwa über Rücken- oder Kopfschmerzen, Atemnot, Übelkeit oder krampfartige Beschwerden. Dabei gerade bei älteren Menschen zunächst an eine organische Ursache zu denken, liegt nahe. Ist dies aber ausgeschlossen, kann der Psychiater bereits durch genaue Befragung ziemlich genau erfassen, was mit dem Betroffenen los ist.

Bei einer schweren Altersdepression sei die Symptomatik mit Vergesslichkeit oder Verwirrtheit mitunter ähnlich einer Demenz, erläutert Professor Michael. Auch an dieser Stelle muss eine genaue Diagnostik die Ursache für die Beschwerden ermitteln, um zu einer optimalen Behandlungsstrategie zu gelangen. Die sei zwar komplex, aber auch vielfach erfolgreich. Neben der medikamentösen Therapie kommen etwa psychotherapeutische Verfahren, Ergo- und Physiotherapie zum Tragen.

"Psychisch Kranke sind schwer beeinträchtigt. Wenn unser Gehirn nicht funktioniert, läuft nichts mehr. Man braucht Geduld, bis sich eine Besserung einstellt. Aber es unser Ziel, auch ältere Betroffene wieder in ihre Selbstständigkeit zurückzuführen", erklärt der Mediziner. Dabei gelte: "Je früher eine Depression erkannt wird, desto besser." Mit der Akzeptanz täten sich aber gerade Senioren schwer. "Die Depression ist von allen Erkrankungen die, die der Person am nächsten steht. Es fällt leichter zu sagen: Ich habe einen Bypass gelegt bekommen als zuzugeben, man sei depressiv." Bei der Therapie ist ein multiprofessionelles Team eingebunden, wobei in der Stiftung auch den Pflegeteams eine besondere Bedeutung zukomme. Neben einer hohen fachlichen Kompetenz brächten sie für die Patienten generell und die älteren Menschen im Besonderen eine hohe Sensibilität und Einfühlungsvermögen mit. Wichtig ist dem Mediziner, dass man sich bei der Behandlung auf jeden Fall sehr individuell einstellt. "So einzigartig wie jeder Mensch ist auch eine psychische Erkrankung."

Quelle: RP
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