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Remscheid
Die Schulen werden auf Notfälle vorbereitet

Remscheid. Was alles passieren kann und was dann getan werden muss, können Lehrer in einem Handbuch nachlesen. Das hilft. Von Lisa Kreuzmann

Es ist einer der schlimmsten Fälle, doch Schulleiter Hans Heinz Schumacher hat auch das Extrem schon einmal erlebt. Der plötzliche Tod eines Schülers. "Dann muss man entsprechend reagieren", weiß der Schulleiter des Ernst-Moritz-Arndt Gymnasium. Früher sei das Kollegium in solchen Notsituationen auf sich gestellt gewesen, erzählt Schumacher. Heute können die Schulen auf ein Stück Rückhalt im Regal vertrauen: Auf 350 Seiten können Lehrer und Schulleiter schwarz auf weiß nachlesen, was im Krisenfall zu tun ist - Schritt für Schritt. Und das sei eine große Hilfe, sagt der Schulleiter. Denn wenn das Kollegion von der Krise unmittelbar betroffen sei, fiele es nicht immer leicht, klare Gedanken zu fassen.

Der Notfallordner, den das Schulministerium gemeinsam mit Schulpsychologen und der Unfallkasse entwickelt hat, listet sämtliche denkbare Szenarien auf. "Das hat es in dieser Form vorher noch nicht gegeben", sagt die schulpsychologische Krisenbeauftragte der Stadt Hannah Arendt. Zu jedem Notfall gibt es vorwiegend praktische Hinweise, etwa wer zu erst zu kontaktieren ist, Polizei, Eltern, oder Justiz. Und wo sich die Schulen Hilfe holen können. Das Handbuch berät aber auch in ethischen und rechtlichen Fragen: Welche Worte können im Trauerfall gewählt werden? Wie sollen Schüler und Kollegen benachrichtigt werden?

Zum Schulalltag gehören Unfälle und schwierige Zeiten ebenso wie der Unterricht, weiß Schulleiter Schuhmacher. "Da versucht einer ein Kunststück im Treppenhaus und stürzt dabei ab". Die Notfallordner seien aber vor allem auch ein guter Anstoß gewesen über mögliche Szenarien nachzudenken, sagt der Pädagoge. Denn auch sensible Themen wie sexueller Missbrauch und Selbstmordgedanken von Schülern werden darin beschrieben. Der Ordner soll auch Hinweise erhalten, wie Krisensituationen an Schulen überhaupt erst zu vermeiden sind, betont Schulpsychologin Arendt. "Wir wollen auch, dass die Schulen ein offenes Auge für Mobbing, Drohungen oder körperliche Gewalt entwickeln", erklärt die Psychologin. Dabei biete der Ordner jedoch kein Konzept zur Gewaltprävention, so die Krisenbeauftragte der Remscheider Schulen, sondern lediglich passende Ansprechpartner wie Sozialpädagogen oder Seelsorger. Aber auch Kontakte zu Polizei und Justiz, die etwa bei Körperverletzung, Diebstahl oder Waffenbesitz eingeschaltet werden müssten.

Die Notfallpläne sind nun noch einmal neu bearbeitet worden. Damit sie nicht als bürokratischer Ballast im Regal verschwinden, werden den Schulen mit dem Notfallset auch Einführung und Fortbildung angeboten. Und das sei wichtig, weiß Schulleiter Schumacher, denn gerade an kleinen Schulen fehle es häufig an Kapazitäten, sich mit Zusatzaufgaben zu befassen.

Am Ernst-Moritz-Arndt- Gymnasium habe man daher vor drei Jahren ein spezielles Krisenteam zusammen gestellt. Darin seien die Aufgaben klar verteilt: Wer informiert die Eltern, wer die Presse, wer begleitet die Schüler aus den Klassenräumen.

Quelle: RP
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