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Remscheid
Die Seele jüdischer Folkloremusik

Remscheid: Die Seele jüdischer Folkloremusik
Marlies Klumpenaar (r.), Alexej Silbert, Oleksiy Piastro, Carol-Ann Habich-Traut, Matthias Wehmer und Kira Ratner am Flügel bildeten das virtuos spielende Sextett, das die Zuhörer im Theaterfoyer zum Schluss mit drei Beifallsrunden verabschiedete. FOTO: jürgen moll
Remscheid. Klarinette und Klezmer-Motive prägten das Konzert eines Sextetts der Bergischen Symphoniker Von Gisela Schmoeckel

Klezmer und Klarinette sind untrennbar in der Welt jüdischer Folklore miteinander verbunden. Wie Komponisten der klassischen Moderne die Motive aus der askenasischen Tradition aufnahmen, konnten Zuhörer in der gut besuchten Matinée am Sonntagmorgen im Foyer des Teo Otto Theaters erfahren.

Von wehmütig klingender Grundstimmung waren die aus fünf ausgewählten Werke geprägt, von hervorragenden solistischen Leistungen war das ganze Konzert des Sextetts der Bergischen Symphoniker. Leider fehlte durch eine organisatorische Panne der Programmzettel, der Informationen über Komponisten und Solisten vermittelt hätte. Solche Nachlässigkeit wird der Bedeutung der Musik und ihren Interpreten in keinster Weise gerecht.

So musste Marlies Klumpenaar, erste Klarinettistin der Symphoniker, aus dem Stegreif das Konzert ohne Mikrofon moderieren, so dass nicht alle Namen verständlich waren. Zum störenden ungewollten Zwischenapplaus kam es so auch gleich nach dem vehementem Abschluss des ersten Satzes der Palestrian Hebrew Suite von Julius Chajes (1910-1985), der sehr bewusst typische Rhythmen und Musikverläufe der Klezmer-Tradition mit kammermusikalischen Strukturen verband.

Klarinette und Bratsche duettierten in einem dunkel schwirrenden Klangteppich der Streicher; die Melodien der Klarinette rufen zum Tanz, schwebende Passagen wechseln zu heftigen Aufforderungen. Die Violinisten Alexej Silbert und Oleksiy Piastro, Bratschistin Carol-Ann Habich-Traut und Cellist Matthias Wehmer bildeten ein sehr gut korrespondierendes Streichquartett. Mit ihnen musizierten kongenial die vor allem als hervorragende Begleiterin bekannte Pianistin Kira Ratner am Flügel und Marlies Klumpenaar mit frischem, rund klingendem, oft auch silbrig hart geprägtem Klarinettenklang.

Mit der "Klezmer Wedding Suite" des kanadischen Komponisten Strul Irving Glück (1934-2002) stellten Marlies Klumpenaar, Alexei Silbert und Rita Ratner ein Werk vor, das stärker noch als das vorangegangene die Welt des Klezmer lebendig machte. Als wandernde Musikanten spielten Klarinettisten und Geiger seit dem 16. Jahrhundert vor allem zu Hochzeiten auf. Signalhaft eröffnete die Klarinette, um dann mit dem exzellent und virtuos musizierenden Alexei Silbert und Rita Ratner in wundervollem Zusammenspiel zu korrespondieren.

Für seinen Sohn habe Max Bruch (1838-1920) Stücke für Klarinette, Viola und Klavier komponiert. Carol-Ann Habich-Traut malte mit ihrer Viola poetische, romantische Farben zum Spiel der gewandten, melodiösen Klarinette, von bewegtem, einfühlsamen Pianospiel durch Rita Ratner getragen - Stücke, ganz der Tradition des 19. Jahrhunderts verhaftet, ohne die Wildheit des Klezmers, in ruhigem, sensibel ausmalendem Fluss.

Wild und feurig, von Leidenschaft und mitreißender Rhythmik geprägt war der Abschluss dieses schönen, auch von klassischer Diszipliniertheit klingenden Konzerts. Mit Prokofjews Ouvertüre über hebräische Themen schlug das engagiert und in musikantischer Virtuosität spielende Sextett den Bogen zum gerade vergangenen neunten Philharmonischen Konzert am Mittwochabend, das dem großen russischen Komponisten gewidmet war.

Drei Beifallsrunden gab es für dieses wundervolle Musizieren.

Quelle: RP
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