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Remscheid
Die Sehnsucht der russischen Seele

Remscheid: Die Sehnsucht der russischen Seele
Uniformierte Stimmgewalt: Die Don Kosaken sangen sich ins Herz des Publikums. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Der Don Kosakenchor Russland überzeugte im sehr gut besuchten Teo Otto Theater mit einer Mischung aus Drama, Melancholie und überbordender Freude am Musizieren. Von Wolfgang Weizdörfer

Es ist immer schön, wenn das Teo Otto Theater platzmäßig an seine Grenzen stößt. Zeigt es doch, dass das Angebot von den Menschen angenommen wird. Und das war am Dienstagabend beim Don Kosakenchor "The Voices Of Russia" anlässlich der Jubiläumstour zum 25-jährigen Bestehen auf jeden Fall so.

In der Pause hörte man immer wieder lobende Einschätzungen wie: "Das ist fantastisch" oder "Was für ein großartiges Ensemble". Und das völlig zu Recht, denn die 23 Sänger unter der Leitung von Marcel Nicolajevich Verhoeff und das sechsköpfige Ensemble "Philarmonia" präsentierten sich in gut zwei Stunden derart eindrucksvoll, dass schon bald nach dem ersten Lied die ersten Bravo-Rufe durchs Theater hallten.

Die Sänger waren mit ihren Uniformen überaus schick anzusehen, auch wenn sie etwas martialisch rüberkamen im Kontext des weihnachtlichen und sakralen Inhalts der Gesänge. Dafür entschädigten aber die Lieder in großem Maße in Sachen Besinnlichkeit.

"Wir sind Kosaken, sind frei, demokratisch und sehr religiös. Deswegen beginnen wir immer mit einigen liturgischen Gesängen", sagte Dirigent Verhoeff zu Beginn. Und das klappte mit einem "Herr, erbarme Dich" oder dem "Vater unser" wunderbar. Ergriffenheit spiegelte sich im Publikum wider - auch wenn wohl nur wenige die russischen Worte verstanden. Gleichzeitig erschufen die Sänger und Musiker etwa bei der "Legende von den zwölf Räubern" oder das Ensemble auf unglaublich virtuose Art und Weise solistisch bei einem "Czardas" eine wunderbar fröhliche Feierstimmung. Aber es kam auch die vielbeschriebene - und besungene - Sehnsucht der russischen Seele zum Vorschein. Etwa dann, wenn die Tenöre Anatoli Petrenko oder Wasili Tschitschin ihre Stimmen in glockenklare Höhen entweichen ließen. Das "Ave Maria" von Bach-Gounod etwa, oder ein Medley aus "Guten Abend, gute Nacht" und "Stille Nacht" sorgten im Publikum für feuchte Augen und begeisterten Jubel. Aber auch Waleri Obuchow am Bass wusste mit seiner sonoren Stimme die Menschen im Theater zu begeistern.

Besonders schön war es dann, als die Chorsänger zu Entertainern wurden, als die Sehnsucht der russischen Seele sich zu einem echten Feierbiest wandelte. Etwa bei der "Russischen Fantasie" oder bei "Die schwarzäugige Kosakin", als die pure Lust am Singen und Musizieren durchkam. Grandiose Stimmen trafen auf hochvirtuose Musiker, deren Hände und Finger sich kaum schneller bewegen konnten und dabei jeden Ton perfekt auf Balalaika, Damra und Bayan trafen.

Was für ein großartiger Abend, der vor allen Dingen auch eines bewies, wie Verhoeff irgendwann sagte: "Musik ist einer der wichtigsten Stifter von Frieden für die ganze Welt. Sie ist eine völkerverbindende Sprache." Dem war nichts hinzuzufügen, außer vielleicht ein leise gehauchtes: "Da!"

Quelle: RP
 
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