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Remscheid
Die Traumwelt der Gefühle ironisch gebrochen

Remscheid. Am Sonntagabend gaben der aus Essen stammende Tenor Philipp Hoferichter und der Kölner PIanist Oliver Drechsel ein Konzert romantischer Lieder, eingeladen von Organist Peter Bonzelet, der die beiden aus Studienzeiten an der Musikhochschule Köln kennt. Von Gisela Schmoeckel

Dem Zyklus "Dichterliebe" von Robert Schumann mit seinen 16 kurzen Liedern widmete sich der erste Teil des Konzerts. Robert Schumann komponierte seine Musik zu den Gedichten von Heinrich Heine, die in fragmentarischen Skizzen tiefe Gefühle und leicht ironisierte Distanziertheit verbinden. Diese leichte Brechung des Gefühls gibt Philipp Hoferichter in seinem sehr gut ausformendem Gesang feine Farben, und Oliver Drechsel am Flügel versteht sein Spiel nicht einfach als eine Folie bietende Begleitung, sondern als deutender Partner. So hört man gleich im ersten, berühmten Lied "Im wunderschönen Monat Mai" das schallende Vogelkonzert, so folgt im zweiten den Glücksgefühlen die schmerzhafte Sehnsucht in nachdenklichem Spiel. Beschleunigungen, Verlangsamungen geben den gefühlshaltigen Bildern Ausdruck, so ist das Rauschen und Wellenspiel des Rheins zu spüren, so kommentieren die dunkel grollenden Bassbewegungen vermeintliche, vom Sänger beteuerte Verzeihungsbereitschaft: "Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht" - der Musik ist die innere Wahrheit anzuhören.

Flöten und Geigen, Trompetengeschmetter - das Pianospiel erhält orchestrale Macht, sehr gut das plötzliche Piano, mit dem am Schluss die Musik absinkt und versieg. Philipp Hoferichter, der als Opernsolist an der Kölner Oper, in Wuppertal und in Bayreuth verpflichtet war, trifft den Ton der Romantik zwischen Traum und erbarmungslosem Erwachen. Bewegend, anrührend und schön ist sein Gesang. Seine Stimme verwandelt die Farben von herzlicher Wärme zur zur Schärfe Enttäuschung, Spott und Hohn.

Nicht einfach ist solch ein Liederabend in der hallenden Akustik der neugotischen St. Bonaventura-Kirche, in der sich die Klänge stark überlagern. Trotzdem waren die gesungenen Texte gut zu verstehen. Dramatische, heftige Wortwechsel prägen die berühmte schottische Ballade "Edward" von Johann Gottfried Herder, in dem der Sohn seiner Mutter den Mord am Vater gesteht, nach eindringlichem Mahnen der Mutter. Carl Loewes Musik malt in dramatischen Wechseln den Mutter-Sohn-Konflikt, und Philipp Hoferichter gibt mit spannungsvollen Steigerungen dem Sturm der Gefühle Ausdruck. Inneres Beben prägt die Musik im "Archibald Douglas", Theodor Fontanes Ballade von Verzeihung und Heimkehr aus der Fremde. Loewes Erlköniglied und in den heiteren "Heinzelmännchen von Köln" ist immer wieder die große Freude des Duos an der feinen Ausmalung zu spüren.

Quelle: RP
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