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Remscheid
Die Vermessung der Stadt in 14 Tagen

Remscheid: Die Vermessung der Stadt in 14 Tagen
Mit diesem Messwagen macht die Firma Cyclomedia 360-Grad Bilder des Straßenraums. Das Foto unten zeigt ein Beispiel aus Frankfurt. FOTO: Röser/Cyclomedia
Remscheid. Seit Montag befährt die holländische Firma Cyclomedia das Stadtgebiet für 360-Grad-Aufnahmen des Straßenraums. Von Henning Röser

Wenn sich künftig weniger auswärtige Lkw in Remscheids Straßen verfahren und für Probleme im Verkehr sorgen, ist das auch Jörg Nolten zu verdanken. Der Mitarbeiter der Firma Cyclomedia erstellt in den nächsten Tagen zusammen mit einem Kollegen ein ganz besonderes Fotoalbum. 500 Kilometer Straßenraum befahren die beiden in ihren weißen Fort Fiestas mit holländischem Kennzeichen. Bleibt das Wetter so gut wie gestern, soll in vierzehn Tagen alles erledigt sein.

Die Fahrer schießen mit einer Spezialkamera, die auf dem Dach der Kleinwagen montiert sind, alle fünf Meter ein Bild. Oder besser gesagt fünf Bilder. Denn die Spezialkamera hat fünf Objektive. Deren Bilder werden vom Computer zu einer 360-Grad-Panorama-Aufnahme - sogenannten Cycloramas - zusammengesetzt. Darauf ist vom Stromkasten über den Laternenmast bis zum Verkehrsschild alles erfasst.

Auftraggeber für diese fotografische Vermessung von Remscheids Straßenraum sind Stadtverwaltung und Stadtwerke. Beide wollen die gewonnen Daten auf vielerlei Weise für ihre Arbeit nutzen. Vordringliches Projekt ist das geplante eigene Navigationssystem der Metropolregion Rhein-Ruhr, das den Spediteuren und Firmen ein genaueres Bild der Wegesituation vor Ort liefern soll als es herkömmliche Navis tun. Es gehe zunächst darum, zu klären, welche Wege die Lkw auf gar keinen Fall nehmen sollen, sagt der Leiter des Ordnungsamtes, Jürgen Beckmann. Die Kamerabilder liefern nicht nur Aufschluss über die Beschilderung, sondern auch über Straßenbreiten und Brückenhöhen. "Man kann in die Bilder hineingehen und messen" sagt Hans Theo Schröder von den Stadtwerken. Die Genauigkeit ist sehr groß.

Remscheid wird in einem ersten Schritt auf der Basis der Messdaten seine Informationen für das Navigationssystem erstellen und diese an den Betreiber senden, so dass das Programm um Remscheid erweitert werden kann.

Als nächster Schritt steht die Erstellung eines Verkehrschilderkatasters an. Wo genau in Remscheid in welchem Abstand welche Schilder stehen - diese Info soll die Arbeit des Ordnungsamtes künftig erheblich erleichtern. Täglich gibt es Anfragen für das Aufstellen neuer Schilder im Verkehrsraum. Meist von unmittelbaren Anliegern. Künftig reicht ein Blick in den Computer, um sich die Situation vor Ort am Rechner anzusehen.

Dezernentin Barbara Reul-Nocke (CDU) betont, dass auch andere Ämter oder die Feuerwehr die Panorama-Bilder für ihre Zwecken nutzen werden. Die Technischen Betriebe (TBR) wiederum können sie für ihre Bauprojekte nutzen,

Die Stadtwerke haben sich aus ähnlichen Gründen zur Hälfte an den fünfstelligen Kosten für die fotografische Erfassung beteiligt. "Wir werden künftig deutlich seltener rausfahren müssen", sagt Schröder. Anders als bei den umstrittenen Foto-Fahrten der Firma Google für ihr Projekt "Street View" werden die Bilder von Cyclomedia nicht öffentlich zugänglich gemacht, sondern nur hausintern von der Stadt genutzt, betont Reul-Nocke. Beckmann ergänzt, dass keine privaten Straßen und Wege erfasst werden.

Quelle: RP
 
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