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Remscheid
Die vielen Gesichter des David Bowie

Remscheid: Die vielen Gesichter des David Bowie
Szene aus dem Tanzabend "Let's Rock". FOTO: Landestheater Detmold
Remscheid. Die Aufführung des Landestheaters Detmold im Teo Otto Theater war eine gelungene Hommage an den Sänger, der vergangenes Jahr starb. Von Wolfgang Weitzdörfer

Praktisch ausverkauft - und das bei einem Abend mit experimentellen Tanz. Das Teo Otto Theater-Team durfte sich beim Gastspiel des Landestheaters Detmold über gute gefüllte Reihen freuen. "Let's Rock" heißt der Ballettabend von Richard Lowe über das Leben und Wirken des im vergangenen Jahr viel zu früh verstorbenen Rock-Chamäleons David Bowie.

Die neun Tänzerinnen und Tänzer gerieten ob des fantasievollen und mit Inhalten überbordenden Bühnenbilds von Manfred Kaderk und der grandiosen Musik, die laut aus den Boxen schallte, zwar nicht ganz zur Nebensache, es war jedoch das Gesamtpaket, das für große Begeisterung im Publikum sorgte.

David Bowie war ein Mensch, der sich musikalisch immer wieder neu erfand. Das machte sich Richard Lowe in seinem Werk zunutze und schuf so ein buntes Kaleidoskop, das den Bogen von den Anfängen im Londoner Stadtteil Brixton, wo Bowie als David Robert Jones geboren wurde, über die Glam-Phase als "Ziggy Stardust" in den 1970er Jahren und dem androgynen "Thin White Duke" der 1990er Jahre bis hin zum brillanten Spätwerk "Blackstar", das er kurz vor seinem Tod noch veröffentlichte, spannte. Ein solch überbordendes und kreatives Leben in etwa zwei Stunden zu packen - diese Leistung gelang dem Ensemble um Lowe auf wirklich packende und ganz hervorragende Art und Weise.

Dabei spielte es keine Rolle, dass die Musik vom Band kam - mit Ausnahme der drei "Metamorphosis"-Teile von Minimal-Komponist Philip Glass. Die präsentierte nämlich Ruslana Pavlovska-Holowko auf ihrem E-Piano. "Unsere Boxen gefallen mir heute richtig gut", konstatierte Teo Otto Theater-Geschäftsführer Lutz Heinrichs in der Pause zufrieden. Dem war nichts hinzuzufügen.

In den E-Piano-Szenen verwandelte sich Bowie - ganz dem Liedtitel folgend. Das konnte auch durchaus als Metapher für die innere Zerrissenheit und die dauerhafte Identitätssuche Bowies verstanden werden. Wenn etwa zuerst die Tänzer mit roten Perücken zur Musik von "Ziggy Stardust" enorme Körperbeherrschung bewiesen, beim Meisterwerk "Space Oddity" wie schwerelos durch den Mikrokosmos Bühne wirbelten, nur um sich dann mit Anzug und Hut zur Musik von "Metamorphosis II" auf der Bühne zu versammeln und so den Übergang zur Pop-Phase mit "Let's Dance" zu symbolisieren.

Der Abend war voller grandioser Höhepunkte. Etwa der synchrone Tuchtanz in wohlig-warmem orangefarbenen Licht zu "Shine On You Crazy Diamonds, Part I" von Pink Floyd. Mit den Stücken von Glass, Tina Turners "The Best" und einem kurzen "Tutti-Frutti"-Ausflug zu Beginn übrigens die einzigen Nicht-Bowie-Songs des Abends. Oder bei "Lazarus" vom letzten Bowie-Werk "Blackstar": Da tanzte ein Ensemblemitglied im schwarzen Kimono vor einem riesigen, runden Bühnenspiegel, der von der Decke hing und schließlich zum Sargdeckel für Bowie wurde.

Denn der Mann mit den vielen Gesichtern stand natürlich nicht wie der biblische "Lazarus" von den Toten auf. Zumindest nicht in dieser Welt. Das Publikum zeigte sich dankbar für diese neue und so noch nicht gesehene Facette des genialischen Rockstars.

Quelle: RP
 
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