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Remscheid
Die zwei Seiten der Carmina Burana

Remscheid. Mittelalterlich und monumental: Musiker zeigen die unterschiedlichen Versionen der alten Text- und Liedersammlung. Von Verena Kensbock

Wenn Ursula Wilhelm das Portativ auf ihrem Knie abstellt, den Blasebalg anzieht und die Tasten anschlägt, ist es wie eine Zeitreise ins Mittelalter. Die portable Orgel ist zwar kein echtes Relikt, doch der Klang erinnert unverkennbar an die dunklen Jahrhunderte.

Die Kantorin des Stadtkirchenchors hat gemeinsam mit Kirchenmusiker Christoph Spengler ein außergewöhnliches Projekt realisiert: In zwei Konzerten führen sie die "Carmina Burana" auf unterschiedliche Weise auf. "Die Carmina Burana ist eine Sammlung von Texten und Liedern aus dem Mittelalter", erklärt Christoph Spengler. In den 1930ern nahm sich der Komponist Carl Orff einiger Stücke an. "Er war fasziniert von den Texten und hat neue Musik dazu geschrieben."

In einer gemeinsamen Veranstaltung geben die Musiker eine Einführung in die Carmina Burana, bevor sie die unterschiedlichen Fassungen präsentieren. "Ich kenne keinen Komponisten, der Musik so geschrieben hat wie Orff - so gewaltig und monumental", sagt Spengler, gebürtiger Wermelskirchener. "Deshalb finden sich viele seiner Kompositionen noch heute in der Werbung und in Kinofilmen." Imposant wird auch der Auftritt in der Lutherkirche. "Zusammen mit Solisten, Jugendchor, Mozart-Chor und dem russischen Staatsorchester aus Kaliningrad sind wir rund 200 Leute." Darunter allein vier Schlagzeuger und zwei Pianisten.

Der Auftritt von Ursula Wilhelm wird deutlich reduzierter. Mit zwei weiteren Musikerinnen und stilecht mit mittelalterlichen Instrumenten wie Fidel, Einhandflöte, Harfe und eben dem Portativ. Für Wilhelm waren vor allem die Vorbereitungen aufwendig. Recherche und Konzeption haben viel Zeit eingenommen. "Von den 250 Liedern sind nur 40 Melodien überliefert", erklärt die Spezialistin für mittelalterliche Musik. "Und die sind nicht in Takten geschrieben. Man ist also sehr frei in der Interpretation."

Da hatte es Christoph Spengler etwas einfacher: "Noten kaufen und machen", sagt er lachend. Für ihn war hingegen die mittelalterliche Sprache eine Herausforderung: Einige Texte sind in Latein verfasst, andere in Mittelhochdeutsch. "Wir haben bei den Proben heiß über die Aussprache der Wörter diskutiert."

Zurzeit laufen die letzten Proben, die Musiker aus Kaliningrad kommen erst zur Generalprobe dazu. "Länger können wir uns so ein Orchester nicht leisten." Dann können auch Ursula Wilhelm und Christoph Spengler sich das Konzert des jeweils anderen anhören.

Quelle: RP
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