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Remscheid
Dieser "Weibsteufel" ließ das Publikum kalt

Remscheid. Eine frustrierte Ehefrau sieht die Chance ihres Lebens kommen: Sie macht mit in einem hinterhältigen Spiel, wird zur Hauptperson, zieht intrigant die Fäden und erreicht das Ziel ihrer Wünsche. Ja, wenn's denn mal so rübergekommen wäre in dem Theaterstück "Der Weibsteufel". Von Bernd Geisler

Das Dreipersonen-Stück des Österreichers Karl Schönherr erlebte seine Uraufführung 1914. Und sein Remscheider Fiasko 2016 am Freitag im Teo Otto Theater. "Es war mit Abstand die schlechteste Theateraufführung, die ich je in meinem Leben gesehen habe", sagte Besucherin Waltraud Bergerhoff. Die Seniorin geht nach eigenem Bekunden seit ihrem 14. Lebensjahr regelmäßig ins Theater. Sie bemängelte beinahe ärgerlich die "flache Schauspielerei, karge Handlung und mangelhafte Inszenierung". Mit ihrer Meinung stand sie nicht alleine da. "Entsetzlich", nannte Ramona Reisdorf das Schauspiel. Das eigentliche Thema sei überhaupt nicht zu Geltung gekommen. Und Jörg Interthal wunderte sich kopfschüttelnd über die "schwache Aufführung der hölzernen Schauspieler".

Insofern hatten die vielen Zuschauer, die nicht gekommen waren, nichts verpasst. Worum ging's? In einer einsamen Berghütte lebt ein kränkelnder Mann (Alexander Radszun) als Schmuggler und Hehler mit seiner Ehefrau (Christine Kaufmann). Ein junger Grenzjäger (Daniel Buder) soll ihm das Handwerk legen. Der Mann bekommt Wind: Der Grenzjäger ist auf seine Frau angesetzt, um Beweise zu sammeln. Der Mann geht zum Gegenangriff über: Sein Frau soll ihrerseits den Grenzjäger bezirzen - so kann er ungestört weiter schmuggeln. Die Frau macht - scheinbar? - mit, der Jäger verfällt ihr, sie spielt mit ihm, und ihr Mann reagiert eifersüchtig. Die Geister, die er rief, wird er nicht mehr los. Das Unglück naht. In diesem Plot liegen Spannung und Erotik: Gibt es einen Sieger und wer wird es sein?

Aufgrund des Titels lag in der Luft auch ein wenig Demaskierung des Menschlichen à la "Geschichten aus dem Wienerwald" von Ödön von Horváth. Nichts von alldem geschah. Erotisch wie die Börsennachrichten und spannend wie der Wetterbericht von gestern kroch die Handlung über die Bühne. Allein die düster-poppige Musik zum eisblauen Licht vor jeder Szene wirkte. Christine Kaufmann als "Weibsteufel" zog keine hinterlistigen Fäden, dieser Teufel ließ sich ziehen. Eigentlich hätte die Frau als treibende Kraft der Handlung kalt lächelnd beide Männer aufs Kreuz legen und zum Wahnsinn treiben können. Aber so, wie Kaufmann (geboren 1945) auf der Bühne agierte, kam nur Mitleid auf. Der Impuls stieg hoch, das immer noch in der Schauspielerin steckende "Rosen-Resli" an die Hand zu nehmen, ihr übers Haar zu streicheln und zur Ofenbank zu führen. Vielleicht lag's ja auch an der biederen Inszenierung von Thomas Rohmer.

Buder gehörte mit seiner Treuherzigkeit zur Kaufmann auf die Ofenbank. Radszun mühte sich redlich, schaffte es alleine aber nicht, Dramatik auf die Bühne zu bringen. Höflicher Beifall am Schluss.

Quelle: RP
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