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Remscheid
Digitaler Kraftakt

Remscheid: Digitaler Kraftakt
Präzision aus der Remscheider Werkzeugschmiede: Unternehmensinhaber Dr. Bernd Schniering gewährte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gestern Einblicke in den digital gesteuerten Produktionsablauf bei Schumacher Precision Tools im Werk an der Küppelsteiner Straße FOTO: Nico hertgen
Remscheid. Der Remscheider Werkzeug-Hersteller Schumacher Precision Tools ist ein Vorzeige-Betrieb bei der Digitalisierung in Produktion und Management. Ministerpräsidentin Kraft besuchte ihn gestern bei ihrer Sommertour. Von Bernd Bussang

Digitale Technik hilft Unternehmen ihre Produktion effizient, flexibel und mit hohen Qualitätsstandards zu gestalten und somit weltweit konkurrenzfähig zu bleiben. Doch ist der Befund gerade für mittlere und kleine Unternehmen (weniger als 500 Mitarbeiter) ernüchternd. Nach jüngsten Verbandszahlen sind nur elf Prozent dieser Unternehmen digitalfähig. Für den Remscheider Präzisionswerkzeughersteller Schumacher Precision Tools gilt das nicht. Im Gegenteil: Der 40-Mitarbeiter-Betrieb mit Sitz an der Küppelsteiner Straße gilt als Vorzeige-Unternehmen in Sachen Digitalisierung. Nicht von ungefähr hat Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei ihrer Sommertour "NRW 4.0", die sich dem digitalen Wandel widmet, einen Besuch in Remscheid eingeplant.

Wie ist der Kraftakt der Digitalisierung mittelständischer Unternehmen zu stemmen? Unternehmensinhaber Dr. Bernd Schniering zeigt es am eigenen Beispiel. Bereits seit mehr als 25 Jahren treibt er den Prozess der Digitalisierng voran. Dabei arbeitet er mit namhaften technischen Universitäten wie Aachen, Bochum, Dortmund und der Yale University zusammen. Die Unterstützung auch durch staatliche Förderprogramme sei wichtig gewesen, betont der Remscheider Unternehmer. "Wir haben zehn Jahre gebraucht, um die nötigen Daten aufzuarbeiten", sagt Schniering. "Inzwischen gibt es standardisierte Baukastensysteme, da geht es viel schneller."

Fotos: Hannelore Kraft (SPD) – Ministerpräsidentin von NRW FOTO: dpa, jst htf fg tmk

Der Prozess der digitalen Vernetzung bringt dem Unternehmen vielfältige Vorteile, zunächst in der Produktion: Die Digitalisierung beginnt bereits in der Planung von Produkten, etwa in Form von 3D-Modellen, und zieht sich über die digitale Simulation bis zum Produktionsprozess, der weltweit nach exakt gleichen Standards ablaufen kann. Derzeit arbeitet das Unternehmen an einem umfassenden digitalen System, das nahezu alle Betriebsbereiche einbezieht, vom Auftragseingang über Lager und Logistik bis hin zu Personalwesen und Kostenrechnung. Die somit erhobenen Daten sollen schnelle Managemententscheidungen ermöglichen und unterstützen. Schon jetzt hat das Unternehmen Datensätze für 40 000 Werkzeugstücke gespeichert, die zu jeder Zeit an jeder Stelle reproduzierbar wären. Bis 2018/19 soll das alle Betriebsteile umspannende Datenetz fertig sein. Schniering und Kraft sind sich einig: Die Digitalisierung der Wirtschaft erfordert verstärkte Anstrengung bei der Datensicherheit - Schniering: "Daran müssen wir arbeiten." - und bei der Anpassung im Bildungssystem. Dass Digitalisierung Arbeitsplätze vernichtet, kann Schniering nicht bestätigen. Im Gegenteil. Qualifizierte Mitarbeiter und hohe Flexibilität der Produktion seien Standortvorteile in Deutschland und hätten in seinem Unternehmen bereits zur Rückführung von Arbeitsplätzen aus dem Ausland geführt. Inzwischen berät Schniering übrigens nicht nur die malayische Regierung, sondern ist ein weithin gefragter Ratgeber auch bei deutschen Mittelständlern.

Quelle: RP
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