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Remscheid
Drei Tage Lesefestival in der Erlebbar

Remscheid. Vom 9. bis zum 11. November dreht sich an der Hindenburgstraße alles um Geschichten, Texte und Gedichte. Prominenter Gast ist der Schauspieler Eric Stehfest. Er berichtet über seine Drogenabhängigkeit. Von Christian Peiseler

Simon Riesebeck (26) besitzt keinen Fernseher mehr, Bücher liest er auf seinem Tablet oder dem Handy. Das Radio läuft bei ihm ständig. Der Betreiber der Erlebbar würde sich aber nicht als ein Büchermuffel bezeichnen. Er nutzt wie viele junge Menschen seiner Generation nur andere Techniken, um sich lesend die Welt zu erschließen. Wie wertvoll, unterhaltsam und informativ Geschichten, Texte und Gedichte sein können, wissen die Besucher der Poetry-Slams in der Erlebbar. Am kommenden Wochenende, 9. bis 11. November, veranstaltet der Treffpunkt an der Hindenburgstraße ein Lesefestival. Das erste dieser Art in der Innenstadt. "Wir machen das Buch zu einem Event", sagt Christoph Imber, Geschäftsführer der Agentur 378 Meter. An drei Tagen dreht sich alles um Bücher und Autoren. "Wir möchten zeigen, dass das Lesen und das Buch einen Wert haben", sagt Imber.

140 Anfragen für eine Platzreservierung sind bei der Erlebbar eingegangen. Das liegt auch an dem fernsehbekannten Gast, der am Samstag (15.30 Uhr) nach Remscheid kommt. "Es gibt viele Promis, die nichts zu sagen haben. Aber Eric Stehfest hat ein Thema", sagt Imber. Er gehört nicht zur ersten Garde der Schriftsteller im Lande. Seine aktuelle Prominenz erklärt sich durch eine Hauptrolle in der Vorabendserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Stehfest kennt sowohl gute wie auch schlechte Zeiten in seinen jungen Jahren. Erfolgreicher GZSZ-Darsteller und gefeierte Auftritte bei "Let's Dance" stehen für die glamourösen Seiten. Stehfest kennt aber auch den Abgrund einer Drogenkarriere. Eine siebenjährige Crystal Meth-Abhängigkeit mit drogenindizierten Schizophrenie hat er hinter sich. "Meine Bude war komplett vermüllt. Zum selben Zeitpunkt lagen zwei tote Meerschweinchen bei mir in der Küche, was ich gar nicht mitbekommen hatte. Der Tod war also schon in meiner Wohnung", heißt es in seinem Buch "9 Tage wach". Daraus wird er in Remscheid lesen.

"Worte sind für mich wichtige Werkzeuge bei meiner künstlerischen Auseinandersetzung mit Menschen und deren Geschichten. Lesen und Schreiben, Hören und Sprechen dienen dem Dialog. So können wir uns erreichen", sagt der Kölner Künstler Saxa. Er liest Gedichte unter dem Titel "Wieviel Du erträgt mein ich". Da er Schrift und Porträts gerne miteinander verbindet, zeigt die Erlebbar auch Fotos von ihm. Aus Remscheid kommt der Autor Daniel Juhr und liest aus einem Krimi. Der Grafiker Peter Laux zeichnet live einen Cartoon und erzählt, wie "Max - der bergische Löwe" entstanden ist. Angela Heise moderiert ein bergisches Autorentreffen. Ohne die Förderung durch den Bergischen Kulturfonds hätte es dieses Lesefestival nicht gegeben. Der Eintritt ist frei. Reservierungen gibt es keine. "An diesen Tagen geht es nicht ums Geschäft. Wir möchten etwas für die Kultur in dieser Stadt tun", sagt Imber. Beim freitäglichen Bingo-Abend verteilt Simon Riesebeck diesmal nicht wie üblich Bananen. Er hat eine Kiste Reclamhefte ersteigert. Ohne Buch geht an diesem Abend keiner nach Hause.

www.378meter.de/remscheider-lesefestival

Quelle: RP
 
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