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Remscheid
Ehrenamtler hören draußen nicht nur Lob

Remscheid: Ehrenamtler hören draußen nicht nur Lob
Zwei von 155 Ehrenamtlichen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren: Pascale Schemel und Georg Bollwerk schöpfen viel Freude aus ihrem Einsatz für Asylsuchende. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Remscheid. 155 Freiwillige, die Flüchtlingen helfen, nahmen auf Einladung von OB Mast-Weisz an einem Dankeschönabend teil. Von Anna Mazzalupi

Sie schenken ihre Zeit und ihre Kraft, um anderen bei ihrem Start in ein neues Leben in Remscheid zu unterstützen: Rund 155 Ehrenamtliche engagieren sich über sieben Träger für Flüchtlinge in der Stadt. Sie bringen Kompetenzen ein, helfen bei Kleinigkeiten und auf der zwischenmenschlichen Ebene.

Grund genug für die Träger und Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, mit einem kleinen Konzert und einem Buffet im Neuen Lindenhof am Donnerstagabend Danke zu sagen. Das war auch Gelegenheit für die Helfer, sich gegenseitig kennenzulernen, so wie Pascale Schemel (35) und Georg Bollwerk (69).

Die zugezogene Kölnerin Schemel ist seit rund eineinhalb Jahren über die Caritas für die Flüchtlingshilfe aktiv, sieht ihre Hilfe auch als eigene Integration in die Stadt. Sie betreut als Patin eine 17-jährige Albanerin, hilft aktuell zum Beispiel beim Umzug oder bei der Ausbildungssuche. "Wichtig ist, dass jemand da ist, der hinter ihnen steht", sagt Schemel, die vor allem Ansprechpartnerin ist. Ihr Einsatz, auch bei der zweiten Patenfamilie, einer Mutter mit einjährigem Kind aus Ghana, ist eher sporadisch und daher zeitlich gut zu managen.

Georg Bollwerk ist pensionierter Lehrer und gibt seit Ende Juni an sechs Stunden die Woche zehn jungen Erwachsenen bei der Awo Deutschunterricht. "Ich sehe Sprache als Brücke", sagt Bollwerk. Zu sehen, wie die fortgeschrittenen Schülern den Anderen Hilfestellung geben, macht ihn stolz. Der Austausch zwischen seinen Schützlingen ist ihm besonders wichtig, da sie aus unterschiedlichen Kulturen kommen. Egal, ob aus Pakistan, Syrien oder Bangladesch, auch Bollwerk lernt noch etwas dazu.

"Die Vielseitigkeit kann auch Reichtum sein. Mir macht das Freude", erklärt der Lehrer, der mit einem Lächeln von seiner Tätigkeit spricht. Die Schicksale, von denen ihm die Flüchtlinge erzählten, gehen ihm allerdings sehr nah. Darüber spricht er mit Familie und Freunden.

"Ich finde es viel schlimmer, wenn man auf Unverständnis für die Tätigkeit aus dem Bekanntenkreis stößt", sagt Schemel, die ihre Arbeit als Bereicherung sieht. Seit dem großen Zustrom sei es schlimmer geworden: "Der ganze Frust wird an den Ehrenamtlern ausgelassen", sagt sie mit einem Kopfschütteln.

Auch OB Mast-Weisz warf in seiner Ansprache einen kritischen Blick auf die derzeitige Situation in Deutschland. "Äußerungen, die vor wenigen Monaten noch nicht gesellschaftsfähig gewesen sind, sind mittlerweile gängiger Spruch", mahnte er. Das ehrenamtliche Engagement in Remscheid für Flüchtlinge stimme ihn jedoch optimistisch.

Quelle: RP
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