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Remscheid
Ein bergischer Jung aus Oregon

Remscheid. Als Museumsführer zeigt der gebürtige US-Amerikaner Cevin Conrad Besuchern Schloss Burg. Seine Liebe und Faszination zur historischen Anlage ist eng verbunden mit der Liebe zu seiner Wahl-Heimat. Von Maxine Herder

Cevin Conrad hat sich zwei Mal in seinem Leben auf den ersten Blick verliebt. Vor vielen Jahren in seine Frau. Eine Deutsche, die er, der Amerikaner, am Flughafen der Stadt Portland in seinem Heimatstaat Oregon kennenlernte. Und ein paar Jahre später, als die beiden längst verheiratet und Eltern von vier Kindern waren, ins Bergische Land und in Schloss Burg. Seit rund sieben Jahren arbeitet Conrad dort als Museumsführer, zeigt den Besuchern Rittersaal, Kapelle und Kemenate, erzählt ihnen mit seinem charmanten amerikanischen Akzent von jenen, die hier einst lebten, trägt Geschichte und Geschichten weiter - und lässt die Menschen das Schloss durch seine Augen sehen.

Es ist ein ganz besonderer Blick, den der 48-Jährige, der mit seiner Familie in Wermelskirchen-Hünger lebt, auf das Schloss hat. Einer, in dem immer die Faszination desjenigen mitschwingt, der nicht mit Schlössern und Burgen aufgewachsen ist. "Burgen sind für Amerikaner wie für Deutsche Tipis, so etwas wie Geschichte in 3D. Es ist nicht selbstverständlich, dass es all das noch gibt", sagt er, während er den Blick von seinem Platz an dem langen hölzernen Tisch durch die Kemenate schweifen lässt. "Da steckt vor allem viel harte Arbeit hinter. Doch man tut das alles gerne für unsere Burg", sagt Cevin Conrad.

Es gibt für ihn keinen Lieblingsraum im Schloss, keine schönste Aussicht, keine perfekte Ansicht. "Ich liebe jeden Raum, alles ist so unterschiedlich und die Geschichte einfach nur megaspannend." Das will er auch den Besuchern vermitteln: "Ich will meine Begeisterung für das Schloss weitergeben, will die Geschichte lebendig werden lassen. Deshalb sind meine Führungen immer Infotainment", sind lebendige, leidenschaftliche Mischungen aus Information und Unterhaltung.

Geschichte sei nie nur Schwarz-Weiß. Und Geschichte sei für ihn auch nie nur Auswendiglernen gewesen: Er könne nicht mehr sagen, wie viele Fachbücher er gelesen habe, seit man ihn, auf der Suche nach einem englischsprachigen Museumsführer, vor rund sieben Jahren gefragt hatte, ob er Interesse habe. "Ich habe mich wochenlang im Büro des damaligen Museumsdirektors einquartiert. Aber mir macht das nichts aus. Im Gegenteil: Geschichte hat mich schon immer interessiert."

Cevin Conrad gibt ganz unterschiedliche Führungen: Allgemeine Führungen genau so wie spezifische zu Themen wie "Speis und Trank", "Sprichworte" oder "Die Schlacht von Worringen". Seine Lieblingsspezialführung heißt "Lach- und Sachgeschichten". Er zeigt "sein" Schloss in deutsch- genauso wie in englischsprachigen Führungen, in Führungen für ganz Kleine genauso wie für internationale Geschäftsleute.

Sogar einen Heiratsantrag gab es auf einer seiner Führungen schon. "Es tut mir gut, die Leute zu begeistern, ihre Erwartungen zu übertreffen. Ich hole sie dort ab, wo sie stehen, und bringe sie an einen Ort, an dem sie noch nie waren. Wir alle sind heute viel zu vielen Reizen ausgesetzt. Menschen dennoch ein neues Erlebnis präsentieren zu können, ist einfach fantastisch."

Dabei ist sein Beruf für Cevin Conrad, der schon viele Berufe hatte - er war Fechter in der amerikanischen Nationalmannschaft, ist seit vielen Jahren Football-Trainer, gibt Rhetorik-Unterricht oder hat als Marketing-Direktor gearbeitet - eng verbunden mit seiner Leidenschaft für seine neue Heimat. "Oregon ist meine alte Heimat. Das hier ist die Heimat, die wir uns ausgesucht haben", sagt er. Er liebe die Natur und die Wälder, die kleinen Bächlein, die urigen Städtchen und Stadtteile, liebe auch die Menschen, denen man zu Unrecht Sturheit nachsage. "Die Menschen hier sind toll", sagt Cevin Conrad. "Sie sind liebevoll, ehrlich und direkt, und sie können auch ihre Meinung ändern." Hier, sagt Conrad, sei er nach Stationen in unterschiedlichen Städten in Nordrhein-Westfalen von "dem Ami" einfach zu Cevin geworden. Und zu einem echten bergischen Jung: "Ich habe sogar ein Shirt, auf dem das draufsteht. Und was ich spreche, nennen meine Freunde bergisches Platt", sagt er und lacht.

Quelle: RP
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