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Mein Kultur-Steckbrief Dr. Christian Henkelmann
Ein Bild von Sahin de Heart und Puccini-Arien

Mein Kultur-Steckbrief Dr. Christian Henkelmann: Ein Bild von Sahin de Heart und Puccini-Arien
FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Remscheid. In einer Reihe stellen wir bekannte Remscheider von einer anderen Seite vor: als Kunstfreunde, als Musikliebhaber oder Opernfans. Wir fragen sie, welche Häppchen aus dem Kulturangebot sie am liebsten genießen. Diesmal antwortet Stadtdirektor und Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann.

Welches Buch haben Sie als letztes in die Hand genommen, es nicht mehr weggelegt und nur noch gelesen. Und was hat Sie dabei gefesselt?

Henkelmann Das letzte Buch war von Daniel Kahneman, Nobelpreisträger für Wirtschaft und einer der einflussreichsten Wissenschaftler unserer Zeit. Er hat ein begeisternd pragmatisches Buch geschrieben: "Schnelles Denken, Langsames Denken". Darin schildert er anhand ebenso nachvollziehbarer wie verblüffender Beispiele die Illusionen und Denkmuster, auf die wir hereinfallen beim Versuch, mit dem Verstand die Welt zu erfassen. Seine Geschichten stellen unsere Wahrnehmung in Frage und verändern unseren Blick darauf, wie wir arbeiten, wie wir die Welt sehen und unser eigenes Leben betrachten.

Wenn Sie ein paar Millionen Euro zu viel hätten, welches Kunstwerk würden Sie sich kaufen und warum?

henkelmann Ich würde ein Aktbild des italienischen Zeichners, Malers und Bildhauers Amedeo Modiglianikaufen: "Nu couché - Liegender Akt". Es galt als skandalös, als Modigliani dieses Bild malte: eine nackte Frau, Brüste und Scham entblößt. Ich bewundere Modigliani. Er ist für mich einer der elegantesten und besten Maler der Moderne.

Von welchem Remscheider Künstler würden Sie sich gerne porträtieren lassen?

Henkelmann Von der deutsch-persischen Malerin Shahin de Heart, über die ein bekannter amerikanischer Künstler jüngst schrieb, sie sei für ihn die beste moderne figurative Malerin in Westeuropa.

Welche Sinfonie oder Oper hören Sie immer wieder?

Henkelmann Für mich ist Puccinis Oper "Nessun dorma" (Keiner schlafe), 1926 in Mailand uraufgeführt, die Oper aller Opern. Besonders die Arie des Prinzen Kalaf zu Beginn des 3. Aktes gehört nicht umsonst zum Standardrepertoire aller großen Tenöre. Mein Vater hörte gerne den lyrischen Tenor Fritz Wunderlich in der Rolle des Prinzen Kalaf. Ich höre am liebsten den unsterblichen Luciano Pavarotti mit diesem Werk.

Welches Remscheider Livekonzert bleibt Ihnen für immer im Gedächtnis?

Henkelmann Am 25. April 2012 spielten die Bergischen Symphoniker im Teo Otto Theater das Philharmonische Konzert: "Auf der Suche nach dem Blauen Vogel" mit Stücken von Engelbert Humperdinck, Johannes Brahms und Robert Schumann. Besonders Brahms Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur op. 83 mit dem genialen Pianisten Bernd Glemser war schlichtweg entrückend. Für mich eine Sternstunde unter vielen erstklassigen Aufführungen der Bergischen Symphoniker.

Mit welchem berühmten Schriftsteller würden Sie gerne über was plaudern?

Henkelmann Mit Bertolt Brecht über sein Theater der Verfremdung anhand des Schauspiels "Der gute Mensch von Sezuan", in dem Brecht Motive, Masken und Techniken des chinesischen Theaters und chinesischer Philosophie verwendet. In dem Stück gerät der Himmel in Aufruhr, weil interne Diskussionen um mögliche Fehler bei der Weltschöpfung die Götter veranlassen, ihr Werk einer Revision zu unterziehen.

Erzählen Sie mal, welcher jüngere Kinofilm hat Sie besonders berührt?

Henkelmann Der Film "Ziemlich beste Freunde" von Olivier Nakache über den steinreichen Adligen Philippe, der nach einem Gleitschirmabsturz vom Kopf abwärts gelähmt ist. Seinen Lebensmut hat er nicht verloren. Als er einen neuen Pfleger sucht, steht der aus dem Gefängnis entlassene farbige Driss in seinem Wohnzimmer und möchte nur einen Stempel dafür haben, dass er sich pflichtgemäß bei einem möglichen Arbeitgeber vorgestellt hat, um Arbeitslosenunterstützung zu erhalten. Trotzdem stellt Philippe den Farbigen ein, denn dessen unbekümmerte Art fasziniert ihn. Zwischen beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft.

Gibt es eine Melodie, die in Ihrer Familie eine Erkennungsmelodie ist?

Henkelmann Da gibt's einige. Die markanteste Stimme ist für uns vielleicht die 1975 verstorbene ägyptische Sängerin und Musikerin Oum Kalsoum.

Quelle: RP
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