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Remscheid
Ein Ehrenamt mit nachhaltiger Wirkung

Remscheid. Die Psychologische Beratungsstelle der Stadt hat Patenschaften für Kinder psychisch kranker Eltern angestoßen. Von Lisa Kreuzmann

Ehrenamtler sind meist ungeübte Kräfte. Doch genau darin kann ihre große Stärke liegen - selbst in den sensibelsten Bereichen. So ist das auch bei Marlies Rostek und Angelika Leidenberger. Die beiden Ruheständlerinnen sind nun Leihomis für Kinder psychisch kranker Eltern. Eine Aufgabe, die sie erfüllt, die "sinnvoll" ist, wie sie sagen, aber auch eine ganze Menge Verständnis und Einfühlungsvermögen verlangt. Zusammen mit zwölf anderen ehrenamtlichen Paten haben sich die beiden Frauen dem Projekt der psychologischen Beratungsstelle angeschlossen. Nach einem halben Jahr als Patenomas strahlen sie vor Zufriedenheit und Sinnerfüllung. Sie werden gebraucht und können leisten, was die Mütter ihrer Patenkinder nicht immer können: Verlässlichkeit und Aufmerksamkeit bieten."Wir waren zusammen im Schwimmbad", erzählt Marlies Rostek. Die 64-Jährige verbringt einmal die Woche ein paar Stunden mit ihrer zehnjährigen Patentochter. "Und für sie war es das Größte, dass ich einfach nur da war, dass sie Blickkontakt zu mir halten konnte." Und noch viel größer sollte erst der Sprung vom Fünfmeter-Brett werden. Kein Sprung ins Ungewisse, denn Marlies Rostek war dabei, um das Mädchen zu bejubeln. Eine kleine Geste, die für diese Kinder Großes bewirken kann. Vielleicht sogar ihr ganzes Leben verändern.

"Ich glaube, dass es etwas Heilendes hat", sagt Psychologe Michael Scharmann. "Ich bin manchmal total gerührt, wenn ich so etwas höre", sagt er, "und stolz, dass wir so tolle Remscheider haben, die sich in dem Projekt engagieren". Der Psychologe weiß, die Ehrenamtler leisten etwas, was man in der professionellen Psychotherapie so nicht bieten kann: Normalität und Lebensnähe. Für die Kinder ist das elementar, denn sie sind es nicht gewohnt, dass man sich auf Erwachsene auch verlassen kann, dass sie zuhören, dass sie auch klare Grenzen aufzeigen. Die zehn Patenkinder sind Kinder alleinerziehender, psychisch kranker Mütter. Eine doppelte Belastung. Manche Mütter hören Stimmen, manche sind depressiv, manche werden aggressiv. Doch eines eint sie: die Sorge um das Kind, dem sie nicht gerecht werden können. Ihre Kinder weisen oft selbst bereits bestimmte Verhaltensstörungen auf, die sich im Erwachsenenalter festigen. Die wenigen Stunden mit den Ehrenamtlern können den Kindern helfen, Vertrauen zu fassen, auch wenn das seine normale Zeit bräuchte, sagt Rostek. Die Idee für das Projekt kam von einer Mutter selbst. Denn auch für die Mütter ist die Patenschaft mit den Ehrenamtlern eine große Entlastung und kann sich, da ist sich Scharmann sicher, auch auf ihre mentale Gesundheit positiv auswirken.

Quelle: RP
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