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Remscheid
Ein Fest der herben Sehnsuchtsklänge

Remscheid. Beim Meisterkonzert im Teo Otto Theater überzeugte das Duo Klaus Paier und Asja Valcic. Von Gisela Schmoeckel

Mit der Erinnerung an Tangoklänge und südamerikanische Sehnsucht verbinden wir gern die Musik von Bandoneon und Akkordeon. Tiefe Melodik und schmerzvolle Trauer erwarten wir bei dem Gedanken an Cellomusik. Beide Instrumente zusammen, als Duo, hatten viele Besucher des Meisterkonzerts am Mittwochabend neugierig gemacht. Das Foyer im Teo Otto Theater war gut gefüllt. Solocellistin und Kammermusikerin Asja Valcic wurde in Zagreb geboren, studierte in Zagreb und Detmold. Klaus Paier studierte in Klagenfurt und ist bekannter Solist, auch Verfasser eines Lehrbuchs über das Akkordeonspiel. Als Duo musizieren die beiden seit vielen Jahren.

Wie überraschend das Klangerlebnis ihres Spiels ist, faszinierte vom ersten Stück an. In rauher Melodik stimmt das Akkordeon Klaus Paiers eine Melodie an, das Cello antwortet und scheint fast den breiten Klang seines Instruments einzuhüllen - oder umgekehrt, das Akkordeon mit seinen schattierenden Farben bettet den Celloton ein. Beide Instrumente erklingen unzertrennlich. Ein ständiges Geben und Nehmen entsteht. Asja Valcic zupft im kraftvollen Pizzicato Rhythmen in den rauschenden Fluss des Akkordeons, führt sein manchmal schwelgerisches, auch schmerzlich-süßes Musizieren in harte, jazzartige Räume.

"Timeless Suite", nach dem Titel ihrer letzten, dritten CD-Aufnahme, heißt das Motto des Konzerts. Die beiden spielen wie in einer barocken Suite eine Reihe von Tänzen, grenzenlos in Zeit und Raum. Bachs Sarabande aus der Cello-Suite Nr. 5 verändert sich mitreißend in südamerikanischen Impulsen; Strawinskys zierliche Ballettmusik aus "Pulcinella" erhält herbe Expressivität. Neue Klangfarben entstehen beim Wechsel zum Bandoneon, dem Knopfakkordeon, bei dem Zug und Schub jeweils einen anderen Ton ergeben. Klaus Paier spielt meisterhaft mit den Möglichkeiten der sanften Übergänge und abrupten, exakten Klangabschlüsse. Gewalt des harten, abgerissenen Klangs löst sehnsuchtsvolles Gleiten ab. Der Balg des Akkordeons wird zum Percussioninstrument, eine hohl klingende Trommel, dem der Schlag der Cellistinnenhand auf dem Corpus des Cellos antwortet. Zum vorzüglich kalkulierten, rhythmisch bebenden Geräusch summieren sich Dopppelgriffe des Cellos mit dem Akkordeonspiel; dramatische, auch rauschhafte Steigerungen entstehen. Vom Flageolettspiel bis zur gleichförmigen Melodik orientalischer Traditionen und moderner minimalistischer Strukturen schöpfen die beiden alle Möglichkeiten des Duettierens aus. Beide Instrumente sind gleich stark. Wunderbar sind die Augenblicke, wenn der Klang zu einer so noch nicht gehörten Gemeinsamkeit verschmilzt.

Die Abstimmung des Klangs am Mischpult war gut; gern hätte man trotzdem Gelegenheit gehabt, die beiden auch "unplugged", ohne Elektronik zu hören. In ihrer temperamentvollen Entdeckerfreude und dem kunstvollen Improvisationsspiel mit bekannten Stücken der Weltmusik spielen die beiden eine ganz eigene, unverwechselbare Sprache, die alles Sinnieren über Unterschiede zwischen Klassik, Folklore, Pop und Jazz überflüssig macht. Das Publikum dankte mit begeistertem Beifall.

Quelle: RP
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