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Remscheid
Ein Feuervogel am Dirigierpult

Remscheid: Ein Feuervogel am Dirigierpult
Darf ab und zu die Bergischen Symphoniker dirigieren: Johanna Malangré. Sie ist Stipendiatin der Orchesterakademie der Bergischen Symphoniker, die seit 1999 den weiblichen Nachwuchs am Pult fördert. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Johanna Malangré ist für ein Jahr Stipendiatin der Orchesterakademie der Symphoniker. Von Christian Peiseler

Auf ihrem Schreibtisch liegt eine Partitur, vielleicht von Strawinski, einem ihrer Lieblinge. Vielleicht "Der Feuervogel". Ba Ba Ba bam. Johanna Malangré klopft den Rhythmus mit ihren Fingern auf die Tischplatte. Wieder und wieder. Wie fühlt sich das an? Wie soll das klingen? In ihrem Kopf entstehen erste Klangfarben. Schnell noch mal die Motive der Bläser auf dem Klavier spielen. Ein Puzzle aus Tönen und Rhythmen erarbeitet sich die angehende Dirigentin. Und dann kommt es doch anders, wenn sie vor dem Orchester steht und den Auftakt gibt. Das ist ein feuriger Moment, wenn das Spiel des Orchesters sich mit ihren Kopfgeburten mischt. Im besten Falle ein glücklicher Moment, wenn Musik erklingt, als gebe es kein oben und kein unten, kein drinnen und kein draußen.

Johanna Malangré (27) wollte mit 15 Jahren schon Dirigentin werden. Klavierspielen hat sie gelernt. Das Soloinstrument reichte ihr nicht. Sie sattelte Orgelspiel drauf. Die unendliche Vielfalt der Orchestrierung auf einem Manual reizte sie, um das Kirchenmusikerexamen abzulegen. Es folgte das Dirigierstudium. Die Kölnerin kann präzise beschreiben, was eine gute Dirigentin ausmacht. "Es genügt nicht, nur ein gutes Gefühl für den Klang zu haben", sagt die Stipendiatin der Orchesterakademie der Bergischen Symphoniker. Eine Dirigentin müsse eine hervorragende Musikerin sein und über ein exzellentes Wissen in Musiktheorie, Musikgeschichte und Komposition verfügen. Zur erarbeiteten Autorität gesellt sich in der Praxis die Fähigkeit, mit Gesten und Mimik den Klang zu beeinflussen. Kommunikation ohne Worte. Es ist ein langer und holpriger Weg bis auf Pult. "Ich kann mir nichts anderes vorstellen", sagt sie. Sie nennt sich eine Strawinskisüchtige, zugleich zeigt sie sich offen für alle Musikrichtungen und Epochen. Alles, was mit Klang zu tun hat, saugt sie auf. Leidenschaftlich kann sie für den Wert der Musik in der Gesellschaft plädieren. Ihre grünblauen Augen unter den breiten Brauen strahlen auch weiter, wenn sie mit der schwierigen Berufsperspektive konfrontiert wird. Eine Welt ohne Musik wäre eine sinnlose Welt. Punkt. Ende. Aus.

Als Kind hörte sie einmal die "Wolfsschlucht" aus dem "Freischütz" im Radio. Ein überwältigender Eindruck, den sie in einem großen Bild festhielt. Gerade Kinder lassen sich von Musik tief berühren, weil sie unverstellt hören und fühlen. Kein Bildungsballast und keine Bildungsarmut stören. In dem Wandelkonzert der Bergischen Symphoniker, das sie in dieser Woche leitete, durften die Kinder mitdirigieren. "Musik gibt den Kindern eine Würde", sagt sie. Beim nächsten Konzert steht sie beim Zirkus Cassely in der Manege. Johanna Malangré - ein Feuervogel am Pult.

Quelle: RP
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