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Remscheid
Ein Höllenritt mit Chopins Sonate

Remscheid. Mikhail Dantschenko trat als virtuoser Pianist bei "Weltklassik am Klavier" in der Klosterkirche auf. Von Gisela Schmoeckel

Eigentlich lernten die 100 Besucher bei "Weltklassik am Klavier" den Pianisten Mikhail Dantschenko erst richtig, in seiner wahren, mitreißenden Spielweise, im zweiten Konzertteil kennen, als er die drei Intermezzi von Brahms und Frédéric Chopins berühmter h-Moll-Sonate Nr. 3 spielte - mit Hingabe, mit leidenschaftlicher Einfühlung, mit traumhaft farbenreichem Anschlag, spannungsvoller Dynamik. Im ersten Konzertteil schmetterte er atemlos, wie im Programmheft angekündigt, als "kraftvoller Wasserfall" Mozarts Sonate B-Dur, die fast ohne Zäsur, ohne dynamische Wechsel im gleichförmigen, sicherlich virtuosen, aber viel zu lautem Anschlag vorbeirauschte.

Allein im letzten, heiteren Spiel des Rondos mit seinem überraschenden Trugschluss war etwas von dem hintergründigen Humor Mozarts zu spüren, der die helle Heiterkeit vor dunkler Dämonie zu schützen weiß. Die malerischen Szenen aus Débussys "Estampes" erklangen mit etwas mehr Einfühlung. Estampes sind Kupferstiche, Bilder von fernen Welten, in die sich der Komponist hineinversetzt. Als sei der Flügel ausgewechselt worden, erklingen nach der Pause die sanften, dunklen, von klagender Melancholie durchzogenen Intermezzi von Brahms, mit liedhaften, wie melodisch gesungenen Motiven. Schweifende, schwerelos auffliegende Passagen im zweiten Satz, sehr gut aufgebaute Steigerungen im dritten mit den offenen, verklingenden Schlusspassagen. Alles war bis dahin nur Vorbereitung. Nun kam mit Chopins riesenhafter Sonate h-Moll das eigentliche Konzert. Strahlend hell leuchtet das Thema des Kopfsatzes, in wunderbarer Fülle. Schwebend leicht erklingt das zweite Thema. Dunkel grollen die Farben des Basses, aber verwandeln sich erneut in die hellen Klänge des zweiten Themas. Gewaltige Eruptionen prägen das Scherzo des zweiten Satzes. An Beethovens Tragik erinnert das Spiel im Largo mit intensiven leisen Passagen und poetischen Nuancen. Ein wilder Aufbruch zu höllischer Fahrt ist das Finale, in dem Dantschenkos Spiel den Kampf der widerstreitenden Kräfte deutlich macht. Ohne Lächeln in kühler Distanz nimmt der Pianist den jubelnden Beifall des Publikums entgegen. Und dann spielt er eine Chopin Polonaise als Zugabe: ein neuer Höhepunkt.

Quelle: RP
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