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Remscheid
Ein Jeck bekennt sich zur Depression

Remscheid. Gelungener Auftakt bei der "Woche der Gesundheit" mit Willibert Pauels. Von Stefanie Bona

Die Mischung aus Information und themenbezogener Unterhaltung machte den gelungenen Auftakt der "Woche der seelischen Gesundheit" aus. Dabei war der Vortrag von Karnevalist Willibert Pauels zugleich geprägt von Kurzweil und Bekenntnis eines Betroffenen. Denn der "Bergische Jong", wie er seit Jahren in der Karnevalsszene bekannt ist, leidet an Depressionen. "Eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, im August 2012 in eine psychiatrische Klinik zur stationären Behandlung zu gehen", machte er im Vaßbendersaal Mut, die Krankheit als solche zu erkennen und sich helfen zu lassen.

Der aus Wipperfürth stammende Pauels stand jahrelang auf der Bühne im Fokus des Interesses und entwickelte sich zu einem gefragten und populären Büttenredner im Kölner Karneval. Der katholische Diakon bekannte aus eigener Erfahrung, dass Depressive häufig empfindsame, dünnhäutige Menschen sind. So litt auch er unter einer Entwicklung, die ihm neben dem Erfolg auch Kritik einbrachte. Nach jedem Auftritt habe es Briefe gegeben, die die Rolle eines Kirchenmanns in der Bütt in Frage stellten. Sogar Anzeigen wegen Gotteslästerungen habe es nach harmlosen Witzen gegeben, mit denen er sein Publikum zum Lachen brachte. Gleichzeitig betonte Pauels aber auch: "Der Karneval ist nicht schuld an meiner Depression."

Vielmehr glaube er, dass diese Erkrankung mit der "seelischen Grundstruktur" des Patienten zu tun habe. Und er bestätigte die Ausführungen von Psychiater Professor Dr. Nikolaus Michael: Die Genetik spiele bei dieser Krankheit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dem Leitenden Arzt der Evangelischen Stiftung Tannenhof gelang es in seinem Vortrag, die Entstehung, Ursachen und Therapieformen der Depression für den Laien verständlich darzulegen. "Wer diese Krankheit erklären will, muss komplizierte Zusammenhänge erkennen", erläuterte der Mediziner. Rund zehn Prozent aller Patienten in hausärztlichen Praxen seien akut schwer depressiv erkrankt. Ungefähr ein Drittel leide an depressiven Symptomen. Das Fatale dabei: Sehr häufig dauert es sehr lange, bis diese Diagnose richtig gestellt wird und sich eine erfolgversprechende Therapie anschließt. "Das liegt unter anderem daran, dass es eine Scheu vor Medikamenten gibt und sie oft zu niedrig dosiert und zu kurzfristig eingesetzt werden", sagte Professor Michael. Zudem entwickele jeder Depressive körperliche Beschwerden, die oft einer falschen Ursache zugeordnet würden. Die gedrückte Stimmung der Betroffenen habe nichts mit Traurigkeit zu tun. Vielmehr könnten sie in der akuten Krankheitsphase weder Trauer, noch Freude und Lebensenergie empfinden.

An dieser Stelle vermittelte der Facharzt die Hoffnung, dass die Krankheit durch eine Fülle von Therapieformen gut behandelbar ist. "Die beste Prognose haben Patienten, wenn früh und energisch behandelt wird", motivierte er auch das Umfeld der Erkrankten, Sensibilität für beginnende Symptome wie Rückzug, verminderte Leistungsfähigkeit, schlechte Gedächtnisleistung oder negatives Denken zu entwickeln.

Quelle: RP
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