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Remscheid
Ein Leben für die Chöre

Remscheid: Ein Leben für die Chöre
"Ich trenne die Chöre mental und inhaltlich": Peter Rinne leitet vier Chöre und gerät trotzdem nicht durcheinander. Mit dem Kopf steckt er schon vollständig in den Vorbereitungen auf Weihnachten. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Peter Rinne ist Schreiner, steht aber gleich vier Chören als Dirigent vor. Dabei hat er sich als Leiter des Männergesangsvereins Niederwermelskirchen dem bergischen Liedgut verpflichtet. Musik macht ihn glücklich. Von Wolfgang Weitzdörfer

Peter Rinne ist ein viel beschäftigter Mann. Der 53-Jährige, der sich als "echten bergischen Jung" bezeichnet, ist Schreiner von Beruf, arbeitet in einem Wermelskirchener Betrieb. In seiner Freizeit jedoch ist er Leiter von vier Chören und einem Posaunenchor, nebenbei betreibt er auch noch eine Tanzkapelle und war lange Jahre bei den Kaltenherberger Heimatfreunden aktiv. "Letztere beide Sachen habe ich schon ein wenig runtergefahren in den vergangenen Jahren, weil es zeitlich einfach zuviel geworden ist", sagt Rinne gut gelaunt. Der gebürtige Burscheider gehört seit 1981 praktisch zum Inventar der Niederwermelskirchener Gesangs- und Musikszene. "Ich habe den Posaunenchor übernommen, da war ich gerade mal knapp 18", erinnert er sich. Dem war eine ganz klassische Zeit an der Burscheider Musikschule vorausgegangen, an der er seit dem zwölften Lebensjahr das Spielen der Klarinette erlernt hat.

In diesen jungen Jahren beginnt Rinne im Männergesangsverein Niederwermelskirchen von 1909 mitzusingen. Nachdem Dirigent Dietmar Häger 1998 verstarb, hat er das Dirigat des MGV übernommen. "Ich habe das nie wirklich gelernt, also im Sinne eines Musikstudiums. Ich habe einige Lehrgänge gemacht und es funktioniert wohl ganz gut", gibt sich Rinne bescheiden.

Denn unter seinem Dirigat ist der MGV gewachsen. "Ich wollte aus dem Chor eine Institution machen, auch mit mehreren Unterabteilungen", sagt Rinne. So wurde etwa das Projekt Reharmonie gegründet, ein Chor, in dem Menschen singen, die einen Schlaganfall erlitten haben oder auf andere Art von einer Aphasie, einer Störung des Sprachzentrums, betroffen sind. "Den leitet aber meine Kollegin Sibylle Hummel. Zudem waren wir auf der Suche nach weiteren Sängern für den MGV", erläutert der 53-Jährige.

Die wurden tatsächlich auch gefunden, knapp 30 Sänger sind es derzeit. Daneben wurde im Jahr 2011 noch der Kammerchor gegründet, der sich weniger mit bergischem Liedgut beschäftigt, als vielmehr ungewöhnlicheren Stücken: "Wir haben beispielsweise 'Bohemian Rhapsody' von Queen gesungen, das ist schon ein schwieriges Stück. Wir haben auch 'An der Bar' von den Wise Guys im Programm", sagt Rinne. Im Kammerchor sind hauptsächlich jüngere Chormitglieder und wie im MGV auch wird rein a cappella gesungen. "Wir haben uns auch ein paar Frauen zur Unterstützung geholt, das klingt schon recht toll", zeigt sich Rinne zufrieden.

Neben diesen beiden Chören steht er seit drei Jahren dem Kirchenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Hilgen-Neuenhaus vor: "Der damalige Organist und Chorleiter Hans-Dieter Hugo ist in eine andere Gemeinde gewechselt, also habe ich das auch noch übernommen", sagt Rinne schmunzelnd. Der gemischte Chor ist vor allem für die Gottesdienstbegleitung zuständig, veranstaltet aber auch Mitsingnachmittage oder Adventssingen. Den Kirchenchor gibt es bereits seit 70 Jahren: "Es sind sogar Gründungsmitglieder mit dabei", betont Rinne.

Neben dem Posaunenchor, den Rinne ebenfalls seit Teenagertagen leitet, geht auch die Gründung einer Institution auf seine Kappe: die der Bergischen Fuhrmänner, einer Abspaltung des MGV. "Wir sind ein Oktett, das im Grunde genommen keine eigenen Konzerte gibt, sondern in der Regel verschenkt wird", erzählt Rinne. Gegründet wurde das Ensemble, das vor allem Mundartgedichte vertont und in Tracht auftritt, bei einer Chorfahrt des MGV nach Fischen/Allgäu Ende der 80er-Jahre. "Unser Chorleiter Dietmar Häger wollte damals bayerische Lieder singen. Aber wir acht haben uns gesagt, dass wir selbst auch Kultur haben, uns spontan formiert - und im Allgäu gleich unser erstes Konzert gegeben", erinnert sich Rinne lachend. Heute singen sie etwa bei Goldhochzeiten oder runden Geburtstagen; geprobt wird auf Zuruf.

Warum er all das macht? "Es ist ein super Ausgleich zu meinem Beruf", lautet die Antwort. "Ich bin als Handwerker viel unterwegs, arbeite oft länger als acht Stunden. Beim Gesang kann man mit Körper und Seele dabei sein, ich fühle mich komplett ausgeglichen", sagt er. Die Heimat sei ihm wichtig: "Ich gehe im Chorgesang total auf. Als Leiter singe ich ja auch selbst mit - manche sagen ja, dass das viel zu laut ist", fügt er an.

Aber als Leiter so vieler Chöre trägt er eine Menge Verantwortung. Durcheinander kommt er nicht: "Ich trenne die Chöre mental und inhaltlich", betont er. Und er muss seiner Zeit voraus sein: "Jetzt geht es ja schon lange mit den Vorbereitungen für Weihnachten los - das ist wie mit dem Spekulatius, die seit September in den Supermärkten liegen", sagt er und lacht wieder. Es stimmt wohl wirklich: Viel Musik macht glücklich.

Quelle: RP
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