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Remscheid
Ein lebendiger Jazz-Organismus

Remscheid. Das Leon Gurvitch Project begeisterte am International Jazz Day rund 50 Musikfreunde im Teo Otto Theater mit virtuosem Spiel. Von Wolfgang Weitzdörfer

Eine Jazz-Band gleicht einem lebenden Organismus. Es geht oft nicht nur um das gemeinsame Spiel, immer wieder sind die einzelnen Musiker noch wichtiger. Wenn alles wie aus einem Guss klingt, zeigt das nur die ganz besondere Klasse der beteiligten Musiker - wie beim "International Jazz Day" der UNESCO im Teo Otto Theater.

Das Leon Gurvitch Project um den namengebenden Hamburger Pianisten mit weißrussischen Wurzeln war mit seinem Programm "Klezmer meets Jazz" zu Gast und begeisterte damit rund 50 Musikfreunde. Vier Ausnahmemusiker musizierten auf der Bühne. Ein jeder hatte eine feste Rolle, und trotzdem wirkte die Musik nicht wie vier tongewordene Egotrips. Eine grandiose Leistung.

Da war der Kontrolleur am Piano, Leon Gurvitch. Er dirigierte die Musik quasi, während seine Finger auf den Tasten eine furiose Mischung aus Harmonie und Melodie ins Auditorium jubilierten, und er dabei doch nie das große Ganze aus den Augen verlor. Am Kontrabass, der Solide, Omar Rodriguez Calvo aus Kuba. Calvo sorgte für den Untergrund, stoisch und monolithisch zwar, aber immer wieder mit dem Hang zum Ausbruch in hohe Lagen, in die er ausbüxte und technisch so brillante Kabinettstückchen auf den dicken Saiten zelebrierte, dass man sich gedanklich die Finger verknotete.

An Klarinette und Saxophon war der Solist Benjamin Weidekamp unterwegs. Er entlockte seinen Instrumenten die phantastischsten Läufe, die kuriosesten Geräusche gar, nur um dann wieder mit ernster Miene seinen Kollegen zuzuhören. Ein Januskopf, der nicht nur mühelos zwischen Klarinette und Saxophon wechselte, sondern auf der einen Seite als enorm songdienlicher Handwerker agierte, auf der anderen Seite ein exaltierter Bonvivant mit Hang zum expressiven Solo war. Kurios: Während seine Mitmusiker den Abschlussapplaus vor der Pause noch genossen, legte Weidekamp sein Instrument ab und verschwand hinter die Bühne.

Am Schlagzeug saß die Präzise, die kleine Spanierin Lucia Martinez. Bei der jungen Frau saß jeder Schlag mit dem Trommelstock, dazu tobte sie sich mit überaus präziser Art und Weise auf den verschiedensten Perkussionsinstrumenten aus, generierte so ein quasi kontrolliertes Chaos, das Zuhörer staunen und in spontanen Szenenapplaus ausbrechen ließ. Dazu war sie neben Gurvitch der Sonnenschein der Band, denn immer wieder lächelte die Spanierin verzückt ins Rund.

"Wir freuen uns sehr, hier zu sein, denn es ist ein besonderer Anlass: Die ganze Welt feiert heute den Jazz. Und wir feiern auch", sagte Gurvitch lächelnd, ganz der typische Künstler. Und dabei so unglaublich virtuos am Piano. Eine wahrhaft würdige Wahl für den International Jazz Day, was sich das Team des Teo Otto Theaters da ausgesucht hatte.

Quelle: RP
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